Alternativer Geschäftsbericht der DB AG 2013 von Bahn für Alle, Frühjahr 2014

"Mehr Schienenverkehr!"

So lautete eine zentrale Forderung der Bahnreform. Die DB AG meldet Erfolg: „Die Bahnreform hat die Grundlage dafür geschaffen, dass der Schienenverkehr in Deutschland nach Jahren des Niedergangs einen neuen Aufschwung erlebt hat und heute [...] sehr erfolgreich dasteht.“

Unsere Bilanz ist differenzierter. Positiv ist unbestreitbar, dass die Verkehrsleis­tungen im Personenverkehr und im Güterverkehr auf der Schiene in absoluten Zahlen wuchsen. Bahn für Alle kritisiert drei Punkte:

Erstens: Im Personenverkehr wuchs nur der Schienenpersonennahverkehr. Der Fernverkehr stagniert seit 20 Jahren. Im gleichen Zeitraum wuchs der innerdeutsche Flugverkehr in direkter Konkurrenz zur Schiene um 70 Prozent. Beim Personenverkehr auf der Schiene wuchs also nur das staatlich unterstützte Segment. Da diese Unterstützung nach der Reform 1994 deutlich erhöht wurde, lässt sich positiv sagen: Die höheren Zuschüsse zahlen sich aus. Kritisch anzumerken bleibt: Der eigenwirtschaftliche Bereich, also der Fernverkehr, stagniert, obgleich der größte Teil der Investitionen in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro in diesen Bereich floss. Da der gesamte innerdeutsche Fernverkehr deutlich wuchs, hat sich der Anteil der Schiene in diesem Segment nochmals erheblich reduziert.

Zweitens: Beim Schienengüterverkehr wuchsen nur die Verkehre über lange und immer längere Strecken (v.a. Ganzzug-Verkehre). Dies ist auch Ausdruck einer immer größeren Transportintensität: In einer Ware der gleichen Qualität stecken immer mehr Transportkilometer, zurückgelegt mit Lkw, Binnenschiffen, Eisenbahnen und Flugzeugen. Auch wenn für diese fatale Entwicklung in ers­ter Linie die allgemeine Verkehrspolitik verantwortlich ist, so unterstützte die DB AG Bahn diese volkswirtschaftlich und ökologisch fatale Entwicklung. Die Schiene verabschiedete sich aus dem regionalen Güterverkehr (Abbau von 80 Prozent der Gleisanschlüsse). Der Briefund Paketverkehr auf der Schiene wurde aufgegeben (1997). Der Stückgutverkehr wurde eingestellt (1998).

Drittens: Die Schiene erhöhte weder im Personen- noch im Güterverkehr ihren Anteil am Verkehrsmarkt. Das Wachstum auf der Schiene war weitgehend identisch mit dem Wachstum des Gesamtmarktes. Die Erhöhung des Marktanteils der Schiene im gesamten Markt (Modal Split) war jedoch das erklärte Ziel der Bahnreform. Die Bilanz im Güterverkehr sieht wie folgt aus. Schiene, Binnen­schifffahrt und Pipe­lines als öko­logisch weni­ger bedenkliche Transportsyste­ me hatten 1993 noch einen Anteil von 35,7%. 2011 waren es nur noch 28,3 %. Allein der Lkw-Verkehr hat sich im Zeitraum 1993 bis 2012 knapp verdoppelt!


Höherer Verkehrsanteil der Schiene? Der Anteil der Schiene Zeitraum 1993 ging drastisch zurück und erreichte Anfang der 1990er Jahre bis 2012 knapp seinen Tiefststand. Seither – und auch seit der Bahnreform – verdoppelt! verharrt er auf diesem niedrigen Niveau.

 

 

 

 

Alternativer Geschäftsbericht der DB AG 2013

 


 

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