Alternativer Geschäftsbericht der DB AG 2013 von Bahn für Alle, Frühjahr 2014

„Zukunft für Beschäftigte!“

Bahnchef Heinz Dürr schrieb 1993, die Bahnreform habe auch das Ziel, „den Eisenbahnerinnen und Eisenbahnern eine berufliche Perspektive zu geben sowie das Unternehmen für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv zu machen.“ Heute bilanziert die Deutsche Bahn AG kühl und zynisch: „Die Arbeitsproduktivität je Bahnbeschäftigten ist deutlich gestiegen.“

Tatsächlich wurde im Zeitraum 1994 bis Ende 2013 die Zahl der Beschäftigten im Bereich Schiene (und innerhalb Deutschlands) halbiert. Im gleichen Zeitraum wuchsen die Transportleistungen um 25 bis 35 Prozent. Den Beschäftigtenabbau kann man nur zu einem Teil mit „mehr Produktivität“ erklären. Service und Instandhaltung wurden zusammengestrichen. Die Arbeit der Noch-Beschäftigten hat sich enorm verdichtet. Sie schieben einen ständig wachsenden Überstundenberg von derzeit rund 8 Millionen Stunden vor sich her. Allein von Ende 2012 auf Ende 2013 wuchs der Überstundenberg um 400.000 Stunden.

Bahnchef Grube unterscheidet sich in der Personalpolitik nicht wesentlich von seinem Vorgänger Mehdorn. So wurde von 2009 bis 2013 in den Bereichen Nahverkehr (DB Regio) und Schienengüterverkehr (Railion) zusätzlich Personal abgebaut. Im sicherheitsrelevanten Bereich Stellwerke hatte Grube seit seinem Amtsantritt im Mai 2009 und bis zum Desaster in Mainz im August 2013 vier volle Jahre Zeit, die unverantwortliche Unterbesetzung zu beheben. Die Gewerkschaft EVG reklamierte im August 2013 einen Fehlbestand von 1000 Stellwerkern.

Zweites Beispiel: Als Grube seinen Job 2009 antrat, arbeiteten im Bahnkonzern noch 19.090 Triebfahrzeugführer. Im Januar waren es noch 18.300, also fast 800 weniger – bei wachsender Verkehrsleistung.

Drittes Beispiel: 2011 verkündete der Bahnkonzern, man werde von 2.350 Reiseberatern in damals noch 400 Reisezentren noch einmal 700 einsparen - nachdem seit der Bahnreform schon die Hälfte des Servicepersonals weggespart wurde.

Der verantwortungslose Umgang des DB-Konzerns mit seinen Beschäftigten hat enorme negative Folgen. Die Identifikation der Beschäftigten der DB AG mit ihrem Unternehmen tendiert gegen Null; das Betriebsklima ist vielerorts miserabel, der Frust immens. Die Urlaubsplanung ist in vielen Bereichen der DB AG ein Alptraum, weil die Personaldecke viel zu knapp ist. Im August 2013 versuchte Bahnchef Grube persönlich, einzelne Fahrdienstleiter dazu zu bewegen, ihren Urlaub abzubrechen, weil der Schienenverkehr im Raum Mainz zusammengebrochen war.
 

Alternativer Geschäftsbericht der DB AG 2013

 

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