Alternativer Geschäftsbericht 2018/19 vom Bündnis Bahn für Alle

14. Ziele der Bahnreform wurden verfehlt

Die Gesamtbilanz von 25 Jahren Bahnreform und 25 Jahren DB AG fällt kritisch bis negativ aus. Alle wesentlichen Ziele der Bahnreform – mit Ausnahme der rein quantitativen Zunahme des Schienenpersonennahverkehrs (bei gleichzeitiger Produktion eines hoch problematischen Flickenteppichs) – wurden verfehlt. Über zwei Jahrzehnte hinweg gab es eine erhebliche Unterinvestition bei Infrastruktur und rollendem Material, die mit Blick auf den Börsengang um das Jahr 2000 begann, jedoch nach dem Platzen der Börsengang-Pläne nicht beendet wurde. Notwendig ist eine gemeinsame Aktion zur „Rettung der Bahn“.

Die Gesamtbilanz der DB ist nach 25 Jahren eindeutig negativ. Vorstellbar ist, dass die „erstaunlich gute Stimmung“ beim Bahnchef-Weihnachtsessen Ende 2018, über das eingangs zu diesem Alternativen Geschäftsbericht Deutsche Bahn AG 2018/19 berichtet wurde, nur vordergründig in Kontrast zu dieser Negativ-Bilanz steht. Die Herren sind eng miteinander verbunden: Dürr, Mehdorn und Grube kommen aus dem Daimler-Imperium. Dürr hatte Mehdorn als seinen Nachfolger vorgeschlagen (es gab dann mit dem Interims-Bahnchef Johannes Ludewig eine Art Betriebsunfall). Grube war Mehdorns Büroleiter bei Daimler. Und Lutz kletterte im DB-Reich unter Dürr, Mehdorn und Grube auf der Karriere-Leiter nach oben. Hartmut Mehdorn kam von Daimler-Airbus und ging nach seiner Bahnchef-Amtszeit zu Air Berlin und zum BER. Grube jobbt seit seinem Abgang als Bahnchef im Februar 2017 als „Berater“ beim Tunnelbauer Herrenknecht.

In dieser Runde zählt die Eisenbahn zum alten Eisen; die Interessen von Fahrgästen, die Bedürfnisse von Beschäftigten und die Belange von Klima und Umwelt spielen eine untergeordnete Rolle. Trotz der erkennbaren tiefen Krise, in der sich die Deutsche Bahn befindet, fühlen sich die Ex-Bahnchefs und der amtierende Bahnchef einander nah. Ein Verständnis von der tiefen Krise, in der sich der Bahnkonzern befindet, scheint nicht zu existieren. Im zitierten Bericht über das Weihnachtsessen heißt es: „DB-Chef Richard Lutz wirkte entspannt, wie Teilnehmer berichten. Der Eigentümer Bund sei zufrieden mit der Entwicklung der Bahn, habe Letzt gesagt, berichtet einer der Eingeladenen später. […] ‚Das Treffen hat inzwischen Tradition. Da sagen die Ehemaligen den Jungen, wie es laufen müsste, und die machen dann weiter so, was sie wollen‘, witzelte einer der Gäste im Anschluss.“69

Doch genau ein solches „Weiter so“, darf es nicht geben. Die Krise der Deutschen Bahn hat Ausmaße erreicht, die ein gemeinsames und schnelles Agieren von allen verlangen, die dem Schienenverkehr verbunden sind und die diesem eine Zukunft erhalten wollen: ein gemeinsames Handeln der im Bahnbereich verankerten Gewerkschaften, der Umweltverbände, und der Organisationen, die – wie die Allianz pro Schiene, PRO BAHN und der VCD (um einige zu nennen) – die Interessen des Schienenverkehrs im Allgemeinen und der Fahrgästen im Besonderen vertreten.

In diesem Sinn veröffentlichte das Bündnis Bahn für Alle seit nunmehr zwölf Jahren immer am Tag vor der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bahn AG ihren Alternativen Geschäftsbericht Deutsche Bahn. Und wir publizierten im Januar 2019 ein Sonderheft zu „25 Jahre Deutsche Bahn“.70 Mit diesem Ziel entwickelten wir das Projekt „Initiative Rettet die Bahn“.


69 Nach: Nikolaus Doll, Schwere Zeiten bei der Bahn, in. Welt am Sonntag vom 9. Dezember 2018.

70  Siehe Lunapark21, Extraheft 18/19, Januar 2019, „25 Jahre Deutsche Bahn AG – 9131 Tage Störungen im Betriebsablauf“. (www.lunapark21.net).

 

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