Alternativer Geschäftsbericht 2018/19 vom Bündnis Bahn für Alle

2. Kein Wachstum des Marktanteils der Schiene

Das Ziel „mehr Verkehr auf die Schiene“ konnte nur im Schienenpersonennahverkehr erreicht werden. Insgesamt stagniert der Anteil der Schiene im gesamten Verkehrsmarkt seit einem Vierteljahrhundert auf einem sehr niedrigen Niveau. Gleichzeitig gibt es ein allgemeines Wachstum aller motorisierten Verkehrsarten, das das Klima und die Umwelt belastet.

Heinz Dürr 1994: „Die Erwartungen […] der Gesellschaft sind von fordernder Eindeutigkeit und demnach lautet unser selbstgestecktes Ziel: Mehr Verkehr auf die Schiene.“8

Tatsächlich wurde dieses Ziel nur im Nahverkehr erreicht – ermöglicht durch begrüßenswert höhere staatliche Unterstützungszahlungen in Höhe von 8 Milliarden Euro („Regionalisierungsmittel“, die der DB-Tochter DB Regio und den anderen Bahnunternehmen zufließen). Im Fernverkehr dagegen gibt es lediglich Stagnation und damit einen deutlichen Rückgang des Anteils der Schiene im Verkehrsmarkt.

Im Güterverkehr verlor die Bahn massiv vor allem auf kürzeren Distanzen durch die Einstellung des Stückgutverkehrs, die Aufgabe der Postfracht und den Abbau der Gleisanschlüsse um 80 Prozent. Die Leistung im Schienengüterverkehr wuchs zwar im Zeitraum 1994 bis 2017, liegt aber heute auf dem Niveau von 1991. Und die Bahn konzentriert sich fast ausschließlich auf weite Transporte mit angeblich „bahnaffinen“ Massengütern, während sie große Teile des Marktes einfach dem Lkw überlässt. Tatsächlich ist die DB AG mit Schenker Logistics sogar selbst der größte Lkw-Logistiker in Europa.
 

8 Geschäftsbericht Deutsche Bahn AG 1994, Seite 2.

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