Rundbrief Nr. 21 – Aktionstage special

3. September 2007

Liebe Aktive,

soeben kommen diese Nachrichten auf den Schirm:

Der SPD-Parteirat, ein beratendes Gremium mit 110 von den Landesverbänden entsandten Mitgliedern, will, dass das Privatisierungsgesetz erst nach dem Bundesparteitag Ende Oktober im Bundestag abgestimmt wird. Acht Landesverbände haben dem Zeitplan der Fraktionsführung widersprochen, das Gesetz in dritter Lesung bis Ende Oktober zu beschließen. Fraktionsvorsitzender Peter Struck erklärte laut Nachrichtenagentur dpa gleich, mit der Union als Koalitionspartner sei "verabredet, den Gesetzentwurf im September einzubringen, die Anhörung durchzuführen und dann unabhängig von anderen Terminen zu entscheiden".

Damit wird der Konflikt zwischen SPD-Fraktionsführung und Bundesregierung auf der einen Seite, SPD-Basis auf der anderen Seite offenbar. Der undemokratische Zeitplan wankt,und das ist ein Erfolg unserer Aufklärungsarbeit an der Basis – jede SPD-Ortsvereinsvorsitzende fasst sich an den Kopf, wenn ihr erzählt wird, was die SPD-Oberen planen. Eure Aktionen wirken!

Wer sich durchsetzt – Fraktion oder Partei – und was am Ende beschlossen wird, ist noch offen. Aber wir sehen: Druck wirkt! Nicht nachlassen!

In vielen Leitmedien wird der Wahnsinn dieser Privatisierung gegeißelt - frontal21, monitor, stern, capital - alle schreiben sie unsere Flugblätter ab und zitieren den Film "Bahn unterm Hammer". Gleichzeitig stellen sich Bundesregierung, Verkehrsminister und die Fraktionsführungen in dieser Frage autistisch. Die Abgeordneten als Entscheider scheinen sich wegzuducken und sich dem Druck von Tiefenseemünteferingstruck zu beugen - und genau dort müssen wir den Gegendruck verstärken! Packt die Abgeordneten in den Wahlkreisen!

Die bundesweite Kampagnengruppe hat einige neue Aktionen ausgearbeitet und Materialien erstellt. Jetzt seid Ihr wieder am Zug: Bitte organisiert Euch Aktionsressourcen, trommelt Leute zusammen, bestellt die aktuellen Materialien und macht Aktionen. Wir haben spannende und entscheidende Wochen vor uns - jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, überall im Land die Kampagne noch mal massiv nach vorne zu bringen. Jetzt geht's um die Bahn!

Viel Spaß bei den kommenden Aktionen wünscht die Bürocrew
Stephanie, Stefan, Katrin und Oliver

Inhalt

  1. Aktuelle politische Situation
  2. 183 = 13
  3. Flash Mob
  4. PendlerInnen-Aktionen
  5. "MdBs an den Pranger"-Aktion
  6. Auch Campact haut rein
  7. Auf einen Blick die Bahn-Materialien im Webshop

Aktuelle politische Situation

Zurzeit überschlagen sich die Ereignisse, fast täglich gibt es neue Informationen zum Gesetzgebungsverfahren und zur Terminplanung – siehe oben. Den folgenden Text hatten wir schon fertig geschrieben:

Leider verdichten sich die Anzeichen bis zur Gewissheit, dass das Gesetz tatsächlich noch vor dem SPD-Bundesparteitag durchs Parlament gepeitscht werden soll. Denn der SPD-Fraktionsführung ist klar, dass die eigene Basis sonst auf dem Parteitag massiv gegen dieses Gesetz stimmen würde.

Donnerstag, der 13. September ist voraussichtlich der Tag der ersten Lesung, eventuell auch einer der dann folgenden Sitzungstage.

Im Rundbrief der vergangenen Woche waren übrigens alle wichtigen Termine der kommenden Wochen aufgeführt. Die SPD-Parteitage stehen hier: http://www.spd.de/menu/1685192/

183 = 13

Diese holprige und unlogische Gleichung wird die Kampagne in den nächsten Wochen begleiten. 183 Milliarden Euro ist die Bahn mit allem Drum und Dran wert - für einen Bruchteil davon soll die Hälfte davon an Investoren verscherbelt werden. Bisher gibt es niemanden, der plausibel erklären kann, warum das sein muss. Deshalb lenken wir ab jetzt den Blick immer wieder auf diese (Un)Gleichung. Denn das muss in die Köpfe der Menschen: Die Bahn wird für einen Bruchteil ihres Wertes verschleudert und das darf nicht sein!

Mehr dazu: http://deinebahn.de/story/57/1957.html

Flash Mob

Unsere Erklärung von "183 = 13" haben offenbar AktivistInnen zum Anlass genommen,um bundesweit zu einer besonderen Aktion aufzurufen: Flash Mob gegen Bahnprivatisierung am Samstag, 8. September, 11.50 Uhr.

Mails mit diesem Inhalt kursieren bundesweit mit konkreten Orten für viele Städte:

Betreff: Flash Mob gegen Bahnprivatisierung , Sa. 8.9., 5 vor 12

Einladung: Sei am Samstag, 8. September, pünktlich um 11.50 Uhr im Hauptbahnhof.

Bring Pfeife, Topfdeckel, Trommel oder ähnliches zum Lärmmachen mit und einen DIN A4-Zettel auf den Du geschrieben hast: 183 = 13. Bewege dich unauffällig durch den Bahnhof und sprich mit niemandem. Achte auf die Bahnhofsuhren.

Fang um Punkt 11.55 Uhr an, Lärm zu machen, aber nur bis genau 11.57 Uhr!

Wenn der Lärm verhallt ist, hol den Zettel 183 = 13 hervor und halte ihn über Deinen Kopf, so dass ihn alle lesen können und drehe Dich langsam in alle vier Himmelsrichtungen. Dann zerreiß den Zettel langsam. Verlasse den Bahnhof unauffällig und ohne mit den anderen Flash Mobbern zu reden.

Bitte agiere präzise wie beschrieben, der Effekt wird erstaunlich sein!

Dieser Flash Mob findet zeitgleich bundesweit in vielen Bahnhöfen statt.

Leite diese Einladung an alle Deine Bekannten weiter! Seid viele!

Oder auch SMS per Handy:

Flash Mob gegen Bahnprivatisierung SA 8.9. 11:50 Hbf Lärminstrument + A4-Blatt "183=13" 11:55 Lärm 11:57 Ruhe, Zettel hoch halten, langsam zerreißen, Bhf verlassen

Hier stehen die Aufrufe für aktuell zwölf Städte:
http://flashmob5vor12.twoday.net/

Flash Mobs ("Flash" für "blitzartig", "Mob" für "Menschen-Menge") sind über E-Mail und SMS initiierte kurzzeitige Ansammlungen von Menschen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort, die eine kollektive Handlung ausführen und dann wieder verschwinden. Flash Mobs erregen bei den Umstehenden Neugier und Verwunderung. Vor allem Jugendliche kennen und mögen Flash Mobs. Zeitschriften wie "Der Spiegel" widmeten im Jahr 2003, als die ersten Flash Mobs stattfanden, ganze Artikel diesem neuen Phänomen.

Dieser Flash Mob gegen Bahnprivatisierung wird wirken, weil er eine andere Kommunikationsebene als andere Aktionen anspricht. Viele Leute machen mit, der Flash Mob wirkt dadurch, dass er den engen Kreis der sonst üblichen Polit-Aktivisten verlässt und auch für viele andere anschlussfähig ist: Es kommt zu sichtbarer Irritation im Bahnhof, BahnkundInnen nehmen die Aktion wahr und werden dadurch aufs Thema aufmerksam, Sicherheitsleute wissen nicht, was sie tun sollen, denn Krachmachen im Bahnhof und Zettel hochhalten sind nicht verboten. Wenn man angesprochen wird, das Lärmen bitte sein zu lassen, kann man das ja auch tun.

Das Ziel des Flash Mob ist erreicht, wenn die Leute sich wundern und sich fragen "Was war denn das?". Darum solltet Ihr KEINE Transparente oder ähnliches zur Flash Mob-Aktion mitbringen und vor dem Flash Mob keine Flugblätter verteilen! Falls Ihr nach der Aktion direkt angesprochen werdet, könnt Ihr natürlich mit den Leuten reden und ihnen einen Flyer oder die visitenkartengroßen "Blitzinfos" geben.

Seid dabei beim Flash Mob, macht ab Mitte der Woche lokale Pressearbeit und unterstützt damit die bundesweite Gesamtwirkung der Flash-Mob-Aktion!
Bitte sprecht persönlich so viele Leute wie möglich an, bei dieser niedrigschwelligen Aktion mitzumachen. Das ist wirklich mal was für jede und jeden, den Unmut über die irrsinnigen Bahnprivatisierungspläne zu äußern.

Und bitte gebt uns Bescheid, wo der Flash Mob bei Euch stattindet. Schreibt an Stephanie im Attac-Büro: handtmann/at/attac_de

Pressearbeit zum Flash Mob

Im Anhang findet Ihr ein Unterstützungspapier zur Flash Mob-Pressearbeit. Ruft Eure lokalen Blätter, Radiosender oder sogar Fernsehsender an und kündigt den Bahnhof-Flash Mob an. Motto: Es ist fünf vor zwölf - Bahnprivatisierung jetzt stoppen!

Sehr wirksam wären auch Kleinanzeigen in Stadtteilanzeigern und lokalen Szeneblättern!

Mehr zu Flash Mob:Ein paar wichtige und nette Links:

http://flashmob.twoday.net/
http://www.flash-mob.de/

... und googelt mal - macht Spaß! Zum Beispiel mit den Stichworten Flash Mob und Bahnprivatisierung oder mit 183 = 13.

PendlerInnen-Aktionen

Für Mittwoch, 12. September, oder einen beliebigen anderen Werktag rund um die erste Lesung des Bahnprivatisierungsgesetzes im Bundestag schlagen wir einen "Pendler-Aktionstag" vor. Die Idee existiert schon lange, da Pendlerinnen und Pendler massiv von den Folgen der Privatisierung getroffen werden. Bisher fehlte es immer an der konkreten Ausarbeitung dieser Aktionsidee - doch seit dem Aktionsworkshop haben wir sie!

Es gibt nun:
Ein Aufkleber-Set (zwei Stück, rund, 6 cm Durchmesser) mit dem Motiv "183 = 13", und dem Slogan: "kein Ausverkauf der Bahn".
Dazu ein passendes Flugblatt, auf dem der Irrsinn erläutert wird und BahnnutzerInnen gebeten werden, sich gut sichtbar den Aufkleber auf Jacke/Tasche/Hut zu bappen.

Aufkleber und Pendler-Flugi sind ab sofort im Attac-Shop zu bestellen.

Im Anhang findet Ihr eine Muster-Presseeinladung und Muster-Presseerklärung, die Ihr an Eure lokalen Gegebenheiten anpassen könnt.

"MdBs an den Pranger"-Aktion

Für dieses lokale Aktionsformat gibt es erste Überlegungen, aber noch kein Material.

Die Grundidee ist folgende:

Die Bundestagsabgeordneten sollen spüren, dass im Wahlkreis beim Thema Bahnprivatisierung sehr genau hingeguckt wird. Deshalb sollen sie an öffentlichen Plätzen vor Ort persönlich und mit Namen angesprochen werden. Diese Aktion soll im Oktober - je nach Stand der politischen Lage - im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages in möglichst vielen Städten gleichzeitig statt finden. Sie richtet sich primär an die SPD-MdBs, aber selbstverständlich auch an die der CDU/CSU.

Wir produzieren schlichte wirksame Eindruckplakate im Format Din A1 mit folgendem Text:

Sehr geehrter Herr MdB Bartol (zum Beispiel),
warum wollen Sie die Bahn verschleudern?

Darunter ein kleiner Block mit den zentralen Argumenten, unser Logo, Verweis auf die Homepage. Der Name des/der MdB ist natürlich nicht eingedruckt, sondern muss von Euch selbst eingesetzt werden.

Ihr könnt mit diesen Plakaten bei Euch entweder kleine Veranstaltungen durchführen, zu einer Diskussion mit dem MdB einladen. Oder als Sandwich durch die Fußgängerzone laufen. Oder vor den lokalen Parteibüros Mahnwachen abhalten oder mit ihnen für zehn Tage eine gemietete Großplakatwand zupflastern. Großplakatwände kosten je nach Ort und Lage zwischen 50 und 250 Euro für zehn Tage und es lohnt sich, sich jetzt schon darum zu kümmern, da die Buchungen in der Regel mehrere Wochen Vorlauf haben.

Die Kampagnengruppe schlägt vor, diese Prangeraktion im Oktober im Vorfeld der zweiten und dritten Lesung des Privatisierungsgesetzes durchzuführen - um zu diesem Zeitpunkt noch einmal maximalen Druck auf die EntscheiderInnen auszuüben. Die Plakate können ab spätestens Anfang Oktober im Webshop bestellt werden.

Auch Campact haut rein

Mit Bahnopoly die Bahnprivatisierung verhindern!
"Bahn für Alle" startet zusammen mit dem Online-Netzwerk Campact und weiteren Organisationen ein Online-Bahnopoly. Das Spiel zeigt die Bahnwelt 2013 nach der Privatisierung: Die Reise geht durch "Schwindeltrassen", "Schlummergleise", "Weichenfriedhöfe" und "verflossene IC-Strecken". Die Spielerinnen und Spieler haben keine Chance - wie die Fahrgäste nach der Bahnprivatisierung.

Lade die Abgeordneten zum Bahnopolyspielen ein. Schicke deinen lokalen MdBs einen Spielplan zusammen mit einem Appell, damit sie sich den Privatisierungsplänen im Bundestag widersetzen.

http://www.bahnopoly.de ist ab heute aktiv.

Für das Spiel und den Protest an die Abgeordneten gibt es Plakate im Format A2 und Faltblätter im Webshop.

Auf einen Blick die Bahn-Materialien im Webshop:

Neu

  • Pendler-Flugblätter "183 =10 - Kein Ausverkauf der Bahn"
  • Pendler-Aufkleber "183 = 10 - Kein Ausverkauf der Bahn"
  • Bahnopoly-Spielplan "Ziehen Sie die Notbremse"
  • Bahnopoly-Faltblätter
  • Bahnopoly-Postkarten

Bewährt

  • "Blitzinfos" im Visitenkartenformat
  • Bahnflyer – Ihr Reiseplan, "Höchste Eisenbahn – Stoppt die Börsenbahn"
  • Aufkleber, "Stoppt die Bahnprivaitisierung", halbe Postkartengröße, acht verschiedene Texte
  • DVD: Bahn unterm Hammer

Am Ende noch eine gute Nachricht: die ehemalige Kampagnenseite unter http://www.bahn-fuer-alle.de wird gerade renoviert und gründlich aktualisiert und steht in Kürze wieder als Mittel der internen Vernetzung in der Kampagne zur Verfügung. Unabhängig von www.deinebahn.de, die sich ja eher an ein externes Publikum richtet.

P.S. Bitte informiert uns immer über Eure Aktionen! info@bahn-fuer-alle.de

Bündnis Bahn für alle