Presseschau August 2008

17.08.08: Anlegerschützer fordern Aufnahme der ICE-Probleme in den Börsenprospekt
Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Carsten Heise, hat die Deutsche Bahn AG einem Bericht des "Tagesspiegel" zufolge aufgefordert, in ihrem Börsenprospekt auf das Problem der ICE-3-Achsen hinzuweisen. "Es wäre wünschenswert, wenn die Bahn bei der Erstellung des Prospekts sehr prominent auf das Thema und die damit womöglich verbundenen Risiken hinweist", sagte dem Blatt (Samstagausgabe).
Dann könnten die Anleger entscheiden, ob sie trotzdem bei dem Unternehmen einsteigen wollten, fügte er hinzu. Ein Bahn-Sprecher wollte dies auf Anfrage von Dow Jones Newswires am Wochenende nicht kommentieren.
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/vwdnews/0,2828,ticker-27962169,00.html

Dagegen bestätigte der Sprecher, einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel", demzufolge sich Bahn-Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn in einem Brief an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee über das Vorgehen des Eisenbahn-Bundesamts in dieser Sache beschwert hat.

16.08.08: Überlastete Achsen: Bahnchef Mehdorn poltert gegen Kontrollbehörde
Bahnchef Hartmut Mehdorn hat sich beim Verkehrsminister über das Eisenbahn- Bundesamt beschwert.
[...]
Die Bahn habe den Eindruck, dass die Behörde „unter Einforderung unverhältnismäßig hoher Sicherheitserwartungen“ Anforderungen „im Sinne eines restrisikolosen Eisenbahnbetriebes“ stelle, „die unverhältnismäßig und mit erheblichen Einschränkungen für unsere Kunden verbunden sind“, zitierten die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Spiegel“ aus dem Brief. Auch der „Focus“ berichtete über das Schreiben. Darin heißt es weiter, die Vorgehensweise werde begleitet von einer „unsachlichen Verschärfung der Tonalität bis hin zu verbalen Entgleisungen mit zum Teil ehrverletzendem Charakter.“ http://www.welt.de/wirtschaft/article2315961/Bahnchef-Mehdorn-poltert-gegen-Kontrollbehoerde.html


...derweil hat die Bahn bereits ein Aktienprogramm für ihre MitarbeiterInnen aufgelegt.
Beschäftigte sollen bis zu 135 Euro Arbeitgeberzuschuss beim Kauf von Aktien für bis zu 337,50 Euro erhalten. Weitere Anteile an der künftigen Börsentochter DB Mobility Logistics (DB ML) im Wert von 2500 Euro können Mitarbeiter bevorrechtigt zugeteilt bekommen, wenn die gesamte Nachfrage das Aktienangebot übersteigen sollte. Bis zum 5. September können Beschäftigte zunächst unverbindlich Interesse anmelden. Der überwiegende Anteil der Aktien soll aber an institutionelle Anleger abgegeben werden. In Deutschland arbeiten rund 190 000 der insgesamt 241 000 Beschäftigten - davon wiederum nur ganz wenige direkt bei der Verkaufs-AG.
Insgesamt will die DB angeblich Namensaktien ausgeben, um besser nachvollziehen zu können, wer bei der Bahn einsteige, sagte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn der "Bild"-Zeitung. Verhindert werden können Eigentümerwechsel damit aber nicht. Mehdorn warnt in Bild vor übertriebenen Ängsten, sollten sich ausländische Investoren an dem Unternehmen beteiligen. "Da werden Ängste geschürt, für die es überhaupt keinen Grund gibt", sagte Mehdorn. Investoren aus der ganzen Welt warteten darauf, im Rahmen des Börsengangs bei der Bahn einzusteigen.
http://www.ftd.de/unternehmen/handel_dienstleister/:Neues_Mitarbeiterprogramm_Bahn_Besch%E4ftigte_bekommen_Aktien_g%FCnstiger/405842.html
http://afp.google.com/article/ALeqM5intjXAnlYB-a4c7mf4Qx4eCa0ugA

Spannende Infos gibt es zur Konzernorganisation
Die Mitarbeiter der Töchter der DB-Privatisierungs-AG (DB ML AG) sollen nicht direkt dazu gezählt werden; dies hat Auswirkungen auf die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Es soll keinen Konzernbetriebsrat für die DB ML AG geben. Die Töchter können teilweise separat gekauft werden. Ein Hintergrund ist eventuell, die Vertreter der GDL außen vor zu lassen, da die GDL anders als Transnet und GDBA nicht mit dem Management kooperiert.
http://www.jungewelt.de/2008/08-29/001.php
http://www.wlz-fz.de/newsroom/wirtschaft/art161,670238

Der Börsengang wird nach FTD-Informationen für den 27. Oktober erwartet.

Soeben hat die DB Infos zu den angekündigten Fahrpreiserhöhungen. Honig für die Investoren?
  • Durchschnittlich 3,9 Prozent mehr für normale Fahrkarten
  • "Um den Kunden auch künftig in erreichbarer Nähe einen personenbedienten Fahrscheinverkauf bieten zu können, weitet die Deutsche Bahn die bestehenden Bedienzuschläge aus. " -> also noch stärkere Erhöhung am Schalter!! Aber wie nett: "Behinderte Menschen, die besonders auf den personalbedienten Verkauf angewiesen sind, werden von der Zuschlagsregelung grundsätzlich ausgenommen."
  • 3,6 Prozent mehr für den Kauf einer BahnCard (BC 25: 57 statt 55 Euro)
  • Im Regionalverkehr verteuern sich die Länder-Tickets zum Fahrplanwechsel um 1 Euro und das Schönes-Wochenende-Ticket um 2 Euro. (plus 50 Cent mehr "Bedienzuschlag")
  • Reservierungen bleiben dagegen preisstabil (wurden schon zum Jahresanfang erhöht)
Dass die DB-Chefs nicht rechnen können oder denken, andere könnten nicht nachrechnen, zeigt dieser Pressemitteilungssatz: "Zieht man in Betracht, dass 81 Prozent aller DB-Fahrscheine im Regionalverkehr - im Fernverkehr sogar 89 Prozent - rabattiert sind, fällt die Preiserhöhung für den größten Teil unserer Kunden gering aus." Eine prozentuale Preiserhöhung ist in Prozenten immer gleich hoch - wenn der Normalpreis bisher 100 Euro war und künftig 103,90 Euro, dann ist der halbe Preis zuvor 50 Euro, dann 51,95 Euro - zwar nur 1,95 statt 3,90 Euro mehr, aber gleiche Steigerungsrate. Allerdings wird die BahnCard ja auch teurer...

Die Financial Times Deutschland beleuchtet in einer Serie Bahnen im Ausland und vergleicht sie mit der DB.
Zu Japan beschreibt sie das, was vielleicht uns blüht: Ein funktionierender Hochgeschwindigkeitsverkehr in privater, gewinnorientierter (und subventionierter) Hand; die Flächenbahn betreibt der Staat. Auch in Deutschland wird es nach einer Privatisierung vielleicht völlig getrennte Angebote geben; der "Nahverkehr", organisiert und finanziert von den Ländern, auch Länderübergreifend (Renaissance des IR!); und ein damit nicht verknüpfter Hochgeschwindigkeitsverkehr ohne vernünftigen Takt (Flugzeuge auf der Schiene).
http://www.ftd.de/unternehmen/handel_dienstleister/406107.html

Bündnis Bahn für alle