Presseschau Januar 2009

5.1.

ICE-Tunnelunglück: Ermittlungen gegen Rettungszug-Personal eingestellt. Bei der Bahn gibts keine Promille-Grenze! Keine Anklage gegen beschwipsten Lokführer.
http://www.hna.de/boulevardsolobig/00_20090104194332_Keine_Anklage_gegen_beschwipsten_Lokfuehrer.html

Manager in Zeiten der Krise mutieren (natürlich) zu Krisenmanagern. rundschau-online berichtet: "Mehdorn wird Krisenmanager" - Krisenmanager statt Kapitalmarktstar
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1229432323703.shtml

Der Tagesspiegel berichtet weiter von ICE-Problemen und Pannen auf Bahnstrecken. Die Engpässe wegen der Probleme mit der ICE-Flotte sind offenbar größer, als bisher von der Bahn zugegeben wurde.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/ICE-Deutsche-Bahn;art18614,2694304

Die DB AG verdoppelt ihre Frachtkapazitäten per Fähre nach Kaliningrad - was auch immer das bedeutet (Schröder-Putin-Connection?) Die Eisenbahnfähre zwischen Sassnitz-Mukran und dem russischen Hafen Baltijsk bei Kaliningrad (Königsberg) soll von Januar an zweimal pro Woche verkehren. Damit werde bereits neun Monate nach dem Start der ersten Nonstop-Verbindung zwischen Deutschland und Russland die Frachtkapazität verdoppelt.
http://www.thb.info/search/news/article/219/doppelte_frachtkapazitaet.html

Sehr ausführlich zu den ICE-Achsen schreibt Bahn-extra: "Stars in der Krise: Kontrollen, Abstellungen, Ersatzverkehr: das Desaster um ICE 3 und ICE-T". Im Kommentar, der neben dem Artikel abgedruckt ist, schreibt Dr. Stefan Vockrodt: "Sicherheit, so scheint es, hat bei Mehorn und den DB-Oberen nicht die höchste Priorität. Sie ist vielmehr der Wirtschaftlichkeit nachgeordnet. Da ist es blosses Glück, dass bei den ICE-Zügen bisher nicht mehr passierte."
http://www.eisenbahnwelt.de/zeitschriftenartikel-3295.html?nav=584

Nicht im Internet: weitere lesenswerte Artikel in Bahnerfachzeitschriften:

Bahn-extra: "Der Börsengang der DB: In die Ferne gerückt !?" (ca 3 Seite A4, mit Zitaten wie; "Dass sich im Laufe des Jahres immer mehr Gegner der Privatisierung rekrutierten, machte Mehdorn fasungslos. Er witterte Verschwörungen "interesierter Kreise"...) http://www.eisenbahnwelt.de/zeitschrift.cfm?heft=316&nav=604

Bahn-Report: "Was lange währt wird endlich schlecht" (zur LuFV)

Bahn-Report: "Der ICE in der Krise, zu den Brüchen und Rissen in Radsätzen" (mit Zitaten von Grubisic und einer Auswertung der BAM-Studie)

Bahn-Report zur vermutlich bis 2010 verschobenen Privatisierung: "Für engagierte Verkehrspolitiker und Privatisierungskritiker könnte es keine bessere Nachricht geben, tut sich doch unverhofft ein Zeitfenster auf, in der sie ihre Alternativmodelle erneut in die öffentliche Diskusion einbringen können. Notwendig wäre in der verfahrenen Situation in einem ersten Schritt eine Art Privatisierungs-Moratorium. Der anstehende Bundestagswahlkampf könnte dabei als eine Art Verstärker und Katalysator einer neuen bahnpolitischen Agenda wirken."

8.1.

Der linke Parteiflügel der SPD will sich im Wahlprogramm deutlich wiederfinden. Dessen Vertreter verlangen etwa, „im Wahlkampf eine ganz klare Linie gegen die Union aufzumachen“, wie es Böhning formuliert. Auch von der Großen Koalition will er die SPD deutlich distanzieren, wohingegen sich Müntefering und Steinmeier eine Fortsetzung des Bündnisses vorstellen können. Böhning fordert zudem eine „neue Steuer auf Vermögen, vor allem auf Kapital“. Auch die Bahnprivatisierung will er stoppen. Unterstützung findet er bei seiner Nachfolgerin an der Spitze der Jusos, Franziska Drohsel: „Die Bahnreform ist nicht nur in der Partei, sondern auch in der Bevölkerung sehr unpopulär“, sagt sie. „Halten wir daran fest, verlieren wir Stimmen.“ http://www.merkur.de/2009_02_In_schwieriger_Mi.32032.0.html?&no_cache=1

Privatisierung ist out. Die der Deutschen Bahn AG wird in der Finanzkrise zumindest immer weiter verschoben. Hartmut Mehdorn wäre nicht Hartmut Mehdorn, wenn er es nicht verstehen würde, sich neuen Begebenheiten schnell und unauffällig anzupassen. In der neuesten Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift der Bahn schimpft der Vorstandsvorsitzende ganz zeitgemäß über »verantwortungslose Banken- und Börsenzocker, deren Suppe wir jetzt alle auslöffeln müssen«.
http://jungle-world.com/artikel/2009/02/32409.html

1,5 Milliarden-Auftrag unterzeichnet: Die Deutsche Bahn kauft 800 neue Doppelstockwagen von Bombardier. Das teilten beide Konzerne am Montag in Berlin mit. Die Bahn sieht sich damit gerüstet für die kommenden Nahverkehrsausschreibungen. Sollte sie sie gewinnen, würden die ersten Fahrzeuge aus dem Vertrag 2011 in Betrieb gehen. Erstmals sind dabei auch Doppelstockwagen mit eigenem Antrieb. Der Vertag läuft bis 2020, wie die Bahn mitteilte. Erst vor drei Wochen hatte sie mit Bombardier-Konkurrent Siemens ein Abkommen über die Lieferung von 15 ICE-Zügen im Wert von einer halben Milliarde Euro geschlossen. In diesem Jahr soll noch eine Bestellung von 300 Fahrzeugen für den Fernverkehr auf Intercity-Niveau abgegeben werden, mit denen die in die Jahre gekommenen lokbespannten Züge nach und nach ersetzt werden sollen. Seit der Bahnreform 1994 hat die DB über 1.600 Doppelstockwagen gekauft, insgesamt fahren bei DB Regio mehr als 2.000 "Dostos".
http://www.rp-online.de/public/article/wirtschaft/news/657231/Bahn-kauft-von-Bombardier-800-Doppelstockwagen.html

20.1.

Strafanzeige gegen die Bahn wegen gebrochener ICE-Achsen, das WAZ-Medienportal berichtet: Die Aufklärung des spektakulären ICE-Unfalls in Köln im Juli 2008 kommt nicht voran. Sieben Monate nach dem Entgleisen des Super-Zuges nach einem Achsbruch liegen immer noch keine Untersuchungsergebnisse vor.
http://www.derwesten.de/nachrichten/wr/westfalen/2009/1/19/news-106331361/detail.html
http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/politik/2009/1/19/news-106395510/detail.html

Mehdorn im Interview: Noch sind wir nicht soweit, dass wir Mehdorns Verlautbarungen ignorieren dürfen. Aber zum Trost sind sie weiterhin aufschlussreich. So klingelt, wenn mans glaubt, bei Mehdorn persönlich im Schnitt dreimal am Tag das Telefon wegen eines Selbstmörders vor einem Zug der DB AG. Wohl dem, der da nicht in eine morbide Stimmung abrutscht - und die Bahn am liebsten kaputtmachen möchte.
http://www.bild.de/BILD/news/wirtschaft/2009/01/18/hartmut-mehdorn/interview-mit-deutsche-bahn-chef.html

Abschied vom Bordbistro: Stulle selber mitbringen oder in "Unserem Einkaufsbahnhof" für teuer Geld kaufen?
http://www.regensburg-digital.de/?p=2118

Computerpanne: IT- und Netzwerkexperten belegen, dass auch die IT-Infrastruktur der Bahn unter fehlenden Nachinvestitionen leidet
http://www.computerzeitung.de/articles/bahn-chaos_stromausfall_kann_ueberall_passieren__und_tut_es_auch:/2009004/31797622_ha_CZ.html?thes=8002,9788,9801,9789,9790,9791,9792,9794,9795,9797,9846,9796&tp=/themen/infrastruktur

22.01.

ICE-Achsbruch:

Heise / telepolis bringen ein umfangreiches, mit vielen links versehenes Interview mit Winfried Wolf, offenbar in insgesamt vier Teilen. Der link zum ersten Teil:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29487/1.html

Zum Spitzelskandal:

Die Financial Times Deutschland kommentiert unter "Teuer spioniert": "807.280 Euro soll die Berliner Wirtschaftsdetektei Network Deutschland von der Bahn bekommen haben. Eine stattliche Summe, wenn es stimmen sollte, dass dafür lediglich Namen von Führungskräften mit öffentlich zugänglichen Firmenregistern abgeglichen wurden. Das hätte zur Not auch ein Praktikant erledigen können. Tatsächlich liegt der Verdacht nahe, dass die Bahn noch ein bisschen mehr forschen ließ. Warum sonst wurde ausgerechnet Ralph Kühn beauftragt, der in der Szene als ausgebuffter IT-Profi gilt?

Der Tagesspiegel schreibt unter "Bußgeld droht": Die Deutsche Bahn sieht sich neuen Vorwürfen der Verletzung des Datenschutzes ausgesetzt. Berlins Datenschutzbehörde wirft dem Konzern vor, in unzulässiger Weise Aufträge zur Ausforschung von Mitarbeitern vergeben zu haben. Zudem habe die Bahn die betroffenen Mitarbeiter nicht von den Nachforschungen informiert. "Wir haben Anhaltspunkte gegen erhebliche Verstöße gegen das Datenschutzgesetz", sagte der Vizechef der Datenschutzbehörde, Thomas Petri, und schloss Bußgelder gegen die Bahn nicht aus. Der interne Bahn-Ermittler Wolfgang Schaupensteiner betonte dagegen, das Unternehmen habe sich insgesamt korrekt verhalten. SPD-Vorstandsmitglied Björn Böhning forderte den Rücktritt von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

Unter "Der Schnüffel-Express" heißt es in der Frankfurter Rundschau, Transnet-Chef Alexander Kirchner verlange, der Kampf gegen Korruption dürfe nicht die Grundrechte der Beschäftigten und ihrer Familien verletzen. Persönliche Daten dürften nicht an Externe weitergegeben werden. Ein Bahnsprecher sagte der Frankfurter Rundschau, bei den Überprüfungen habe sich das Unternehmen ausschließlich öffentlich zugänglicher Quellen wie dem Handels- oder dem Melderegister bedient. Es habe keine Aufträge zur Beschaffung nicht öffentlich zugänglicher Daten gegeben.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1663206_Der-Schnueffel-Zug.html

Das Handelsblatt schreibt: "Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die Bahn hält der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), Konsequenzen für unausweichlich, sollten Rechtsverstöße begangen worden sein. "Wenn sich der Verdacht datenschutzrechtlicher Verstöße bestätigen sollte, kann das nicht ohne Folgen bleiben", sagte Bosbach. "Ich gehe davon aus, dass bei gravierenden Verstößen Aufsichtsrat und Eigentümer informiert werden." Bosbach gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass die Bahn bezüglich der Überprüfung von Mitarbeitern zwar ein "legitimes Interesse" daran habe, dass rechtswidriges oder gar strafrechtlich relevantes Verhalten unterbleibe oder aufgeklärt werde. Aber diese Aufklärungsarbeit dürfe nur im Rahmen der Rechtsordnung erfolgen.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/bahn-wehrt-sich-gegen-bespitzelungsvorwuerfe;2130719

25.01.

Schwäbische Zeitung: "Bahnvorstand macht die ICE-Strecke kaputt". Der Tuttlinger SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Moser erhebt schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn AG. Moser bemängelt, dass es nahezu an der Tagesordnung sei, dass ICE- und Regionalzüge zehn bis 40 Minuten Verspätung hätten. Dies führe zu großem Ärger bei Geschäfts- und Privatreisenden, weil diese oftmals Anschlusszüge nicht mehr erreichten. "Für das Personal der Bahn, die den Ärger der Leute aushalten müssen, wie für die Reisenden", schreibt Moser "ist das eine Zumutung." Zudem sei das Zugmaterial schlecht und Waggons teilweise nicht beheizt.
http://www.szon.de/lokales/tuttlingen/stadt/200901240129.html

Südwestpresse: Kreistag Göppingen forderte in einer Resolution die DB AG auf, die Zusage zur Bahnhofssanierung einzuhalten. Im Filstal hatte die Ankündigung der Bahn, das bereits zugesagte Sanierungsprogramm für die Bahnhöfe im Filstal zurückzustellen, für große Empörung und Proteste gesorgt.
http://www.suedwest-aktiv.de/region/nwz/goeppinger_kreisnachrichten/4095786/artikel.php?SWAID=13721a4bab48c254bb482a7bde86171a

Berliner Morgenpost: Winterchaos - Berliner Abgeordnetenhaus lädt S-Bahn-Chef wegen fortdauernder Zugausfälle und Verspätungen vor und kündigt Kürzungen an.
http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1021477/Winter_Chaos_Abgeordnete_laden_S_Bahn_Chef_vor.html

Gleichzeitig ist das Bahnthema im Wahlkampf der SPD schon angekommen, wie ein Bericht der Augsburger Allgemeinen belegt: Regionalpolitiker fordern mehr Verbindungen für den ländlichen Raum und konstatieren mit Blick auf die DB AG: „Ein Unternehmen, das derart stümperhafte arbeitet, hat es nicht verdient, an die Börse zu gehen.“
http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Augsburg-Land/Lokalnews/Artikel,-Mit-Harmonie-gegen-das-Hessen-Trauma-_arid,1461875_regid,2_puid,2_pageid,4493.html

26.01.

Die Nürnberger Nachrichten machen eine Kundenaktion, in der der Bahn deutliche Vorwürfe gemacht werden. Aussagen des bayerischen Bahn-Chefs stoßen nicht auf Zustimmung
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=957396&kat=27

Berliner Zeitung: Für schlechte Leistungen gibt es fünf Millionen Euro weniger. Der Berliner Senat macht es wahr und kürzt der Bahn 5 Millionen fürs zu-spät-kommen. Das sind zwar keine zwei Prozent der 275 Millionen die die DB-Tochter bekommt, aber dennoch ein deutliches Signal.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/119177/index.php

 

29.01.

Spitzel-Skandal: Das Unternehmen hat bei 173.000 Mitarbeitern und 80.000 Lieferanten Daten "gescreent"
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Daten-Skandal-Bahn-173.000-Mitarbeiter/652981.html


30.01.

Spitzel-Skandal der Deutschen Bahn: Mehdorns Flucht nach vorne
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Spitzel-Skandal-Deutschen-Bahn-Mehdorns-Flucht/653339.html

Spitzel-Affäre bei der Bahn: "Wir haben ein Managementproblem"
http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/karriere/:Spitzel-Aff%E4re-Bahn-Wir-Managementproblem/653293.html

"Zumindest eine der 43 Spähaktionen der dubiosen Spitzelfirma Network diente zumindest nicht direkt der Korruptionsbekämpfung - sondern dazu, einen konzerninternen Kritiker ausfindig zu machen, der den Bahnchef bei der Steuerfahndung angezeigt hatte. Niemand kann sich vorstellen, dass der Bahnchef selbst von dieser Aktion "Uhu", die ihn selbst betraf, nichts gewusst haben soll. Zumal der Manager in Rundschreiben an die Mitarbeiter in drohendem Ton verkündete, man werde Korruption ohne jede Nachsicht bekämpfen und "Lecks" einkreisen, durch die interne Informationen wiederholt in die Öffentlichkeit gerieten."
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1668151_Stuhl-des- Bahnchefs-wackelt.html

Bündnis Bahn für alle