Salz in der Wunde - Presseecho Bedienzuschlag

Arno Luik fragt im Kommentar auf stern.de:

Warum wird Volksvermögen so billig verschleudert?
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Sie alle wollten die Privatisierung der Bahn - gegen den erklärten Willen ihrer Wähler. Die Bürger hatten nicht nur ein "Unbehagen" gegen diese Privatisierung, sie wollten sie nicht, partout nicht, über 70 Prozent - so war das bei allen Umfragen - waren dagegen. Weil sie wussten, was das heißt, wenn aus einer Bürger-Bahn eine Börsen-Bahn wird.
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Und jene Investoren bekommt Mehdorn nur, wenn er es letztendlich schafft, eine einfache Formel umzusetzen: Minimaler Service für maximale Rendite. Rendite - das, nur so nebenbei, ist auch der Grund, weshalb Mehdorn sich so heftig wehrt, dass seine Hochgeschwindigkeits-ICE's alle 60.000 Kilometer durchgecheckt werden. Sicherheit kostet Geld. Mehdorn handelt so kalt wie logisch.
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Schnäppchen Bahn: Zwölf Milliarden Euro sollte der Börsengang in die Kassen des Staates spülen. Dramatisch weniger wird es wohl werden, vier bis allenfalls fünf Milliarden, sagen Insider, bringt der geplante Verkauf.
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Bedienzuschlag hin, Bedienzuschlag her, auch das muss mal gesagt werden: Früher, zu Zeiten der so heftig diskreditierten Beamtenbahn, konnten Sie an fast jedem Ort in Deutschland Fahrkarten in alle Welt kaufen, und das ging verblüffend schnell. Probieren Sie heute mal im Internet ein Fahrkarte, sagen wir mal, von Frankfurt nach St. Gallen, oder von Hamburg nach Stockholm zu bestellen. Sie werden scheitern. Ihr Computer wird sagen: "Preisauskunft nicht möglich".
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Deutsche-Bahn-Minimaler-Service-Rendite/638916.htm

Kommentar NDR:
Dieses Bild hat sich jetzt bei Millionen von Kunden eingeprägt - das Bild einer eiskalten, nur an Profitmaximierung interessierten, service-unfreudlichen Bahn. Deutlicher kann man nicht zeigen, dass man Kunden für lästig hält. ... Diese Gratwanderung zwischen Marktorientierung einerseits und gesellschaftlicher Verantwortung andererseits gehört zur besonderen Aufgaben des Bahn-Managements. Hartmut Mehdorn ist dabei immer wieder zur einen Seite, zur Rendite-Seite, abgerutscht.
http://www.ndrinfo.de/programm/sendungen/bedienzuschlagbahn100.html

Interessantes auf Spiegel.de
Die Bahn wollte mit der Gebühr unter dem Strich Zusatzeinnahmen von 60 Millionen Euro erwirtschaften - die bleiben nun aus. "Das ist zwar viel Geld, angesichts eines Umsatzes von mehr als 30 Milliarden Euro ist ein Verzicht aber zu verschmerzen", sagte der Bahn-Insider aus dem Aufsichtsrat. Gewerkschaften und Fahrgastvertreter warnen indes vor Preiserhöhungen an anderer Stelle. "Wenn die Bahn die Einnahmen am Schalter nun nicht wie geplant erhöhen kann, wird sie versuchen, die Kosten zu senken", sagte Heidi Tischmann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Zu befürchten seien Personalabbau und Schalterschließungen in kleineren Stationen. Die Gewerkschaft Transnet forderte prompt, eine von der Bahn eigentlich mit dem Zuschlag verknüpfte Standortgarantie für die 400 Reisezentren in der Republik auch ohne die Gebühr zuzusagen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,577946,00.html

Der Tagesspiegel:
Über alle Kunden und Vertriebskanäle gerechnet hätte die durchschnittliche Preiserhöhung 6,5 Prozent betragen, wie der "Tagesspiegel" (Samstagausgabe) unter Berufung auf Berechnungen der Berliner Unternehmensberatung KCW meldet. "Es sollte eine verdeckte Preiserhöhung stattfinden, die für das Ergebnis der Sparte Fernverkehr sehr wichtig gewesen wäre", sagte der KCW-Experte Michael Holzhey dem Blatt. Mit anderen Worten: Verzichte die Bahn auf den Zuschlag und wolle den gleichen Einnahmeerlös erzielen, müssten die Preise um 6,5 Prozent steigen.
http://www.presseportal.de/pm/2790/1263958/der_tagesspiegel

Auch die ftd hat Pressestimmen gesammelt:
http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Pressestimmen-Schnapsidee-lebensferner-Preisstrategen/413160.html

Bündnis Bahn für alle