Stuttgart - Ulm zum Schnäppchenpreis

Das Folgende ist als Glosse zu verstehen, oder als Versuch, Milliarden in handliche Größen zu überführen.

Die Zahlen sind einigermaßen realistisch, sind aber so gewählt, dass man die Rechnung leicht im Kopf mitvollziehen kann:

  • Es sei unterstellt, die 2.900.000.000 € seien realistisch (was unwahrscheinlich ist).
  • Es sei weiter angenommen (obwohl es viel zu wenig ist), der auf die Relation Stuttgart - Ulm entfallende Anteil von "Stuttgart 21" betrage 175.000.000 €.
  • Das ergibt dann für Stuttgart - Ulm eine Infrastruktur-Investition von 3.650.000.000 €.
  • Außerdem sei angenommen, Zinsen und Tilgung für diese Kapital-Investition betrage 10 % (das ist zugegebenermaßen ein bisschen zu hoch).
Dann beläuft sich der jährliche Finanzierungsaufwand auf 365.000.000 €, entsprechend 1.000.000 € pro Tag.
  • Angenommen, zwischen Stuttgart und Ulm befahren die Schnellfahrstrecke täglich 100 Reisezüge (es könnten eher weniger sein), dann beträgt der Investitionsaufwand 10.000 € pro Zug.
  • Angenommen, mit jedem Zug fahren durchschnittlich 200 Personen, dann beträgt der Investitionsaufwand 50 € pro Person, für die man nach Fertigstellung der Strecke entsprechende Erlöse kalkulieren müßte.
  • Nun beträgt die Bauzeit nach derzeitiger (eher unrealistischer) Planung 10 Jahre. Gleichmäßigen Mittelabfluss vorausgesetzt, ist die Hälfte des Investitionskapitals ohne Nutzen und damit ohne entsprechende Erlöse für 10 Jahre gebunden und muss dementsprechend verzinst werden.
  • Nimmt man (nur als Erinnerungsposten) aufsummiert dafür weitere bescheidene 20 % an, so beträgt allein der Infrastruktur-Anteil einer einfachen Fahrkarte Stuttgart - Ulm 60 €, die die zur Kostendeckung verpflichtete DB-Netz-AG der DB-Fernverkehrs-AG in Rechnung stellen müßte.

Die Entfernung zwischen Stuttgart und Ulm beträgt - damit es sich leichter rechnet - knapp 100 Kilometer; damit ergeben sich 60 Cent pro Reisenden-Kilometer.

Die DB-Fernverkehrs-AG hat aber zahlreiche weitere eigene Aufwandspositionen, für die sie ebenfalls Deckung erzielen muss. Ich greife nur die Aufwandsposition Lokführer heraus, u.a. weil dieser Aufwand vielen DB-Vorständen ein viel beklagtes Ärgernis gewesen ist:

  • Angenommen, der Lokführer kostet die DB-Fernverkehrs-AG 73.000 € pro Jahr, entsprechend 200 € pro Tag.
  • Angenommen, die effektive Arbeitszeit auf dem Zug betrage 4 Stunden pro Tag; dann kostet die Lokführerstunde auf dem fahrenden Zug 50 €.
  • Die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm soll (völlig unrealistische) 28 Minuten betragen.

Demnach kostet der Lokführer pro Fahrt rd. 25 € oder 12,5 Cent pro Reisenden oder 0,125 Cent pro Reisenden-Kilometer.

von Eberhard Happe

Bündnis Bahn für alle