Stuttgart-21 GegnerInnen machen mobil - "Xtausendmal NEIN"

Aktionsbericht Dezember 2009
Zwischen 1.500 und 2000 Menschen trafen sich am Donnerstagabend 18.00 Uhr am Stuttgarter Hauptbahnhof zum unangemeldeten Protest. Nach einem längeren Blechdeckel, Pfeif- und Plastikschlauchkonzert zogen sie auf die Hauptverkehrsstraße (Schillerstraße) vor dem Hauptbahnhof und legten den Verkehr für eine gute halbe Stunde völlig lahm.

Flugblätter an die AutofahrerInnen wurden verteilt. Trotz Aufgebot der Polizei zog der Protestzug in kleinen Gruppen sich aufteilend zum Stuttgarter Schlossplatz um dort dem Protest freien und hörbaren Ausdruck zu geben. Die Fortsetzung der Proteste endete schließlich während des Weihnachtsmarktes am Stuttgarter Marktplatz auf den Treppen zur Rathausobrigkeit.

Die Stuttgarter Zeitung/Nachrichten schweigen zu den Protesten. Der SWR spricht "nur" von ein paar Hundert Protestierern vor dem Stuttgarter Bahnhof. Verschwiegen wird die Überforderung der Polizei - eine Hundertmannschaft wurde aus einer nachbarschaftlichen Stadt zusätzlich angefordert - Proteste ohne Anmeldung, ohne zentrale Demoführung - und dann funktionierte alles überzeugend und unüberhörbar: Der Stuttgarter Protest setzte sich in einer gemeinsamen Aktion des zivilen Ungehorsams durch. Junge und Alte Seit an Seit "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Bahnhof klaut".

 

Ein Bericht von der attac Regionalgruppe Schorndorf:

X-tausendmal NEIN Stuttgart 21 - Gegner legen Hauptverkehrsstraße lahm

Ca. 2000 wütende Bürgerinnen und Bürger haben am Donnerstag Abend mit einer Aktion Zivilen Ungehorsams in unmittelbarer Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter dem Slogan "X-tausendmal NEIN" eine große Durchgangsstraße in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs komplett lahmgelegt. Der Verkehr auf der stark befahrenen Straße kam dabei mehrmals vollständig zum Erliegen. Die Polizei hatte nach der Entscheidung von Bahn und "Lenkungskreis" für das höchst umstrittene Projekt Stuttgart 21 zwar Demonstrationen von Stuttgart 21-Gegnern erwartet und war in großer Zahl rings um den Bahnhof präsent. Was dann jedoch geschah, überraschte selbst die Polizei: Aus der unangemeldeten Demonstration heraus entwickelte sich spontan ein wütender, aber dennoch durchweg friedlicher Zug von Menschen, der sich stundenlang durch die Innenstadt bewegte. Dabei schlugen die Teilnehmer mit Töpfen, Trillerpfeifen, Blasinstrumenten und Blechdosen sowie mit Sprechchören ohne Unterlass Alarm. Die Polizei versuchte mehrmals, die Menge vom Shoppingbereich um Rathaus, Schloss und Weihnachtsmarkt fernzuhalten. Die Demonstranten, eine bunte Mischung aus Schülern, Studenten, Kulturschaffenden und Hausfrauen, Rentnern und Architekten, Alten und Jungen fanden jedoch immer neue Wege, friedlich und kreativ die Sperren zu umgehen.

Die spontane Aktion war eine Reaktion der Menschen auf die Entscheidung von Bahn, Land, Region und Stadt, das Projekt Stuttgart 21 trotz Kostenexplosion, trotz aller Widerstände, entgegen dem Rat renommierter Bahnfachleute, trotz Finanzkrise, Einnahmeausfällen und massiven Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich und gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung zu realisieren. Am Donnerstag hatte der sogenannte "Lenkungskreis", bestehend aus Bahnchef Grube, dem Baden-Württembergischen Noch-Ministerpräsident Öttinger, der Regionaldirektorin Wopperer und dem Stuttgarter OB Schuster dem Projekt Stuttgart 21 erwartungsgemäß zugestimmt. Am Tag zuvor hatte bereits der Bahn-Aufsichtsrat die Realisierung des Projekts gebilligt.

Stuttgart 21 ist eines der umstrittensten und mit Sicherheit das teuerste Bahnprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik. Zu den Unterstützern des Projektes gehören neben den Mitgliedern des obigen Lenkungskreises führende Persönlichkeiten aus der Banken- und Baubranche.

Der Bericht fast nur das allerwichtigste zusammen. Nähere und gut aufgearbeitete Informationen bekommt ihr über die Homepage:

www.kopfbahnhof-21.de oder über den BUND-Regionalverband Stuttgart

Bündnis Bahn für alle