Bahnkunden sollen Gewinne der Investoren bezahlen

15.8.2006: Bahnkunden sollen Gewinne der Investoren bezahlen - Börsengang-Gegner werfen Mehdorn Verschleierung der Tatsachen vor

Mit scharfer Kritik hat das Bündnis "Bahn für Alle" auf die Präsentation der Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn reagiert. Bei dem angeblichen Gewinnsprung des bundeseigenen Unternehmens handle es sich um eine "Verschleierung der Tatsachen", so das Bündnis, dem unter anderem das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Umweltschutzverbände Robin Wood und BUND angehören.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte am Montag unternehmensinterne Zahlen öffentlich in Frankfurt am Main kommentiert und für einen Börsengang der Bahn geworben. Der Betriebsgewinn sei zwischen Januar und Juni auf 936 Millionen Euro geklettert; damit sei die Bahn bereit für die Börse. Gleichzeitig stellte Mehdorn steigende Preise in Aussicht.

Dazu Chris Methmann, Mitglied im Attac-Koordinierungskreis: "Damit macht Mehdorn klar, wohin die Reise geht: Mit steigenden Preisen sollen die Fahrgäste die hohen Gewinne der Investoren bezahlen." Vor kurzem hatte der Bahnchef selbst in einem Stern Interview höhere Fahrpreise im Falle eines Börsengangs angekündigt.

Wie Methmann betonte, stammen die angeblichen Gewinne des Unternehmens zum Großteil aus dem Nahverkehr, dessen Überschüsse zu zwei Dritteln von öffentlichen Subventionen gespeist werden. "Das bedeutet, dass hier der Steuerzahler die Zeche zahlt", so der Kritiker. Hinzu kämen die guten Ergebnisse aus bahnfremden Betriebsteilen wie der Logistik-Sparte. Der Fern- und Güterverkehr würde hingegen vernachlässigt. Dort seien lediglich "schwarze Nullen" erreicht worden. Berücksichtige man zudem die einmaligen Sondereffekte in Folge der Fußball-Weltmeisterschaft, seien die vorgelegten Zahlen wenig spektakulär. Methmann: "Mehdorn versucht, die Börsenbahn als Erfolgsmodell darzustellen, um von den zu erwartenden Verschlechterungen für die Fahrgäste abzulenken."

Das Bündnis "Bahn für Alle" rechnet im Falle eines Börsengangs mit massiven Verschlechterungen des Bahnangebotes: Bei einem Verkauf sei kurzfristig mit einer Stilllegung von bis zu 5000 Kilometern Strecke zu rechnen. Langfristig sei ein Großteil des Netzes gefährdet. Für private Investoren stehe nicht das Mobilitätsbedürfnis der Menschen im Mittelpunkt, sondern die Steigerung der Rendite. Die Folge sei, dass noch mehr Menschen von der Schiene auf die Straße umsteigen müssten, ganze Regionen würden vom Netz abgekoppelt. Erfahrungen in Großbritannien hätten gezeigt, dass eine Privatisierung der Bahn zu Entlassungen, Fahrplanwirrwarr, Preiserhöhungen und Sicherheitsrisiken führe.

Laut Experten ist die Deutsche Bahn mehr als 100 Milliarden Euro wert. Der zu erwartende Verkaufserlös liege jedoch bei nur 15 Milliarden Euro. "Das wäre eine beispiellose Verschleuderung öffentlichen Eigentums", warnte Methmann.

Nicht einmal ein Drittel der Bevölkerung spricht sich für einen Börsengang der Bahn aus, wie eine Forsa-Umfrage im Mai ergab. Das Bündnis "Bahn für Alle" fordert den sofortigen Stopp der Börsenpläne und ein moderne Bahn in öffentlicher Hand nach dem Vorbild der Schweiz.

"Bahn für Alle" wird getragen von Attac, Robin Wood, BUND, Bürgerbahn statt Börsenbahn, Bahn von unten, UMKEHR e.V. und den NaturFreunden Deutschlands.

Für Rückfragen: * Chris Methmann, Attac, 0179-4548798

Bündnis Bahn für alle