Ausstieg jetzt: Fehmarnbelt-Tunnel

Im Fehmarnbelt zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark soll auf dem Grund der Ostsee ein 18 Kilometer langer Tunnel vergraben werden. Geplant ist ein „Absenktunnel“: 89 riesige Betonelemente werden in einen zuvor ausgehobenen Graben am Meeresboden „abgesenkt“. In vier Röhren sollen vier Autobahnspuren und zwei Eisenbahngleise Platz finden. Es wäre weltweit der längste Tunnel in dieser Bauweise und auch der längste Straßen/Schienen-Tunnel.

Zum Projekt gehört ein massiver Ausbau der Schienen- und Straßen-Hinterlandanbindungen auf beiden Seiten. Das Ziel des auf 7,4 Milliarden Euro geschätzten EU-Projektes: mehr Güterverkehr zwischen Skandinavien und Mitteleuropa. Über den ganzen Kontinent sollen noch mehr Laster und Güterzüge hin- und wieder zurückfahren. Doch für den Schutz von Gesundheit, Umwelt und Klima brauchen wir weniger und nicht mehr Güterverkehr. Für das Ökosystem Ostsee wäre der Tunnelbau eine Katastrophe.

Denn dafür soll ein riesiger Unterwassergraben ausgehoben werden. Die Umweltschutzorganisation Nabu hat ausgerechnet, dass der Aushub einen Schutenverband von Fehmarn bis New York füllen würde. Der Meeresgrund würde über mindestens sieben Jahre großflächig aufgewühlt. Diese Sedimentaufwirbelungen werden die Tier- und Pflanzenwelt stören und vielfach zerstören. Den jahrelangen Unterwasserlärm beim Ausbaggern, Absenken, Verbinden und wieder Zuschütten werden Meerestiere nicht überstehen. Schon die Messungen zur Planung beeinträchtigten die Schweinswale. Weitere unkalkulierbare Risiken gehen von in der Ostsee verklappter chemischer und konventioneller Munition aus.

Fehmarn hat auf 185 Quadratkilometern vier Naturschutzgebiete. Der Fehmarnbelt ist Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet. Schweinswale durchschwimmen den Fehmarnbelt auf ihren Wanderungen regelmäßig und für Ostseeverhältnisse sehr häufig. Die heute von Landwirtschaft und Tourismus geprägte Insel würde ihren naturnahen Charakter durch den Ausbau von Straße und Schiene einmal quer durch die Inselmitte verlieren. Menschen und Tiere werden unter Lkw- und Güterzug-Kolonnen, unter Lärm und Abgasen leiden.
Im Schleswig-Holsteinischen Koalitionsvertrag vom Juni 2017 schreiben CDU, Grüne und FDP zum Fehmarnbelt-Tunnel, man wolle „die neuen Möglichkeiten nutzen“ und die „negativen Auswirkungen so gering wie möglich halten“. Doch die Finanzierung wackelt, weil der Betreiber seine überzogenen Bedarfsprognose radikal nach unten korrigieren musste: Von 74 Güterzügen pro Tag auf 17. Damit wäre der EU-Zuschuss, reserviert für Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene, passé. Auf der Insel und von Umweltaktivist*innen gibt es beharrlich Widerstand gegen den Bau.

Monika Lege, Robin Wood. Infos siehe: www.robinwood.de und www.beltretter.de

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