Alternativer Geschäftsbericht der DB AG 2013 von Bahn für Alle, Frühjahr 2014
 

„Serviceunternehmen!“

So lautete das dritte Ziel der Bahnreform. Der damalige Bundesverkehrsminister Wissmann, heute Chefflobbyist der Automobilindustrie, postulierte in der Debatte zur Bahnreform im Bundestag am 2.12.1993: „Gewinner der Bahnreform wird der Kunde sein, […] sowohl, was den Komfort, was die Pünktlichkeit, was die Häufigkeit der Verbindungen als auch den Preis angeht.“

Wenn man den Blick auf das gesamte System Schiene wirft, gelangt man zu einem völlig anderen Ergebnis. Die Deutsche Bahn AG reduzierte seit der Bahnreform die Zahl der Bahnbeschäftigten mit „Dienst am Kunden“ auf ein Drittel. Sie schloss Tausende Schalter und verkaufte mehr als tausend Bahnhöfe. Die Mehrzahl der Bahnhöfe im Bestand der DB AG ist in einem miserablen Zustand. All das sind Beispiele für einen Abbau von Service und Kundennähe. Natürlich gibt es in den DB-Lounges und in der Ersten Klasse gute Service-Qualität. Doch während rund ein Dutzend solcher DB-Lounges, zu denen nur ein kleiner Teil der Fahrgäste Zutritt hat, eröffnet wurden, wurden hunderte Warteräume und Toiletten in Bahnhöfen, die für die Mehrheit der Fahrgäste wichtig sind, geschlossen. Tag für Tag verkehren viele Nahverkehrszüge heute ohne Begleitpersonal – wo soll es da „Service“ geben? Woche für Woche fallen 200 Züge komplett aus – ist das nicht ein alltäglicher Service-GAU für Tausende? Die Zugverspätungen liegen heute deutlich über dem Niveau vor der Bahnreform – wo bleibt da das Versprechen von Wissmann, Dürr & Co., wonach die Eisenbahn nach der Bahnreform „deutlich pünktlicher“ sein würde?

Über diesen alltäglichen Serviceabbau hinaus gab es in den letzten vier Jahren mindestens vier Mal den Größtmöglich Anzunehmenden Unfall beim Service: Im Winter 2010/2011 erlebten wir im Schienenverkehr das „Winterchaos“. Im Sommer 2011 kam es zu dem Drama „Sauna-ICE“. Seit 2011 tobt in Berlin und Brandenburg die S-Bahn-Dauer-Krise. Im August 2013 war der Hauptbahnhof der Landeshauptstadt Mainz vier Wochen lang ohne Schienenverkehr. Und dann gab es da am 31. Dezember 2013 im Hamburger Abendblatt die Schlagzeile: „1,25 Millionen Bahnbeschwerden“. Die Anträge auf Kostenerstattung stiegen im vergangenen Jahr um 400.000 oder knapp 40 Prozent auf Rekordniveau. Service-Unternehmen? Na, prösterchen!

 

Alternativer Geschäftsbericht der DB AG 2013

 

Bündnis Bahn für alle