Aktionsberichte 2006

Berlin, 23. November 2006: Unterschriften-Übergabe

an Bundestags-Vizepräsidentin Dr. Susanne Kastner (SPD) und symbolische Aktion vor dem Reichstag: "Bundestag wiegt falsch!" 

Mehr als 34.000 Unterschriften gegen die Bahn-Privatisierung haben wir an den Deutschen Bundestag übergeben – 34.000 von 50 Millionen, denn 71 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind dafür, die Bahn in öffentlicher Hand zu behalten. Das hat eine repräsentative Emnid-Umfrage ergeben.

Mit einer großen Balkenwaage zeigten Aktivisten von Attac Berlin und Robin Wood, dass diese Bevölkerungsmehrheit für den Bundestag offenbar weniger politisches Gewicht hat als der persönliche Ehrgeiz von Bahnchef Hartmut Mehdorn und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee.

Die letzten Unterschriften gegen die Bahnprivatisierung legten die Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer (SPD) und Oskar Lafontaine (Linksfraktion) auf die Waagschale.

Die schwere Kiste voll mit Unterschriftenlisten nahm am Nachmittag die Vizepräsidentin des Bundestages, Dr. Susanne Kastner (SPD), an. Anderthalb Stunden lang tauschte die Politikern mit einer Bahn-für-Alle-Delegation Argumente aus. Frau Kastner wird alle Abgeordneten über die Unterschriftensammlung und unsere Argumente informieren.

Dennoch zeigte unsere Waage – leider – richtig an: Am nächsten Tag (Freitag, 24. November) stimmte der Bundestag zunächst für die Bahnprivatisierung. Der Bundesverkehrsminister soll einen Gesetzentwurf vorlegen. Ob er das schafft, darauf sind wir gespannt...

Mainz-Kastel, 13. November 2006: Diskussionsveranstaltung

Kommt statt "Plan B" nun "Plan Z"?
 

Hamburg, 10. November 2006: "BürgerInnenzug" protestiert gegen den Koalitionsbeschluss

Presseerklärung: Koalitionskompromiss beim Bahnbörsengang stößt auf breiten Protest in Hamburg

Heute, Freitag abend sind 80-100 Personen, z.T. aus dem ganzen Bundesgebiet, aus den unterschiedlichsten Initiativen und Gruppierungen vom Hamburger Hauptbahnhof über Dammtorbahnhof bis zum S-Bahnhof Sternschanze gezogen. Viele verschiedene z.T. ausgefallene Transparente, gebastelte Heuschrecken, ein Bullenkostüm und farbige Lichte aller Art gaben dem "BürgerInnenzug" ein buntes Gesicht. Diese sinnliche Erscheinung wurde durch Liedbeiträge und durch RednerInnen akustisch unterstützt. Sie beleuchteten die Hintergründe und Konsequenzen der Bahnprivatisierung aus den unterschiedlichen Bickwinkel (Winfried Wolf, Verkehrswissenschaftler, "Bügerbahn statt Börsenbahn"), Gilbert Siegler (WASG, AG Umwelt und Energie), Marianne Wildberger (Attac), Jürgen Mumme (ROBIN WOOD) und Hans-Gerd Öfinger (Bahn von unten - Transnet).

Bei der Frage nach der Motivation für solch einen Protest, wo die Privatisierung doch beschlossene Sache sei, sagte ein Teilnehmer: "Die Regierungskoalition hat dies beschlossen, womit auch zu rechnen war."

Aber der Beschluß im Bundestag ist keinesfalls sicher, wie man in den letzten Tagen in der Presse vernehmen konnte.Denn tatsächlich gibt es kein einziges stichhaltiges Argument, daß die Privatisierung Vorteile für Beschäftigte, Fahrgäste oder der öffentlichen Hand bringt. Im Gegenteil - alle drei zahlen drauf. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben daß sich die Mehrheit der Parlamentarier für eine nachhaltige Bahnreform entscheiden werde und die kann nur in öffentlicher Hand statt finden". Auf Nachfrage wie es denn jetzt weiter gehen wird sagte eine Teilnehmerin: "Die Überzeugungsarbeit wird weiter fortgesetzt, dabei werden wir verstärkt unsere Alternativlösungen für eine Bürgerbahn in die Diskussion einbringen".

Berlin, 6. November 2006

Der (Börsen-)Bulle nimmt die Bahn auf die Hörner und bringt sie zu Fall. Eines sehr breiten Medienechos erfreute sich diese Aktion.
 

Hamburg, Sommer bis Herbst 2006:  Kreative Infostände, Plakat-Aktion und mehr 

Mehdorn stoppen - Bürgerbahn statt Börsenbahn

Seit Juli arbeitet in Hamburg ein aktives Bündnis - bestehend aus attac-, Robin Wood-, Naturfreunde und WASG-Mitgliedern - gegen Mehdorn und für die Bürgerbahn. Das Bündnis wird von der Linkspartei und "Regenbogen - für eine neue Linke" unterstützt. Weniger fantasievoll als an anderen Orten, setzten wir in Hamburg eher auf die klassischen Mittel der Überzeugung, auf das Handzettelverteilen, auf Info-Stände, auf Veranstaltungen im Saale und auf die konventionelle Latschdemo. Uns war daran gelegen möglichst viel Material unter die Menschen zu bringen, Gespräche zu führen und zu überzeugen. Im Detail waren wir manchmal aber schon phantasievoll, wie die Origami-Grillen-Bastel-Aktion und das Würfel-Brettspiel zur Bahnkampagne beweisen.

Flugis wurden vor allem vor den Bahnhöfen verteilt und anlässlich verschiedener politischer Großveranstaltungen. Auf Gewerkschaftsdemos, Stadtteilfesten und in den Zügen der Bahn, aber vor allem morgens vor der Arbeit vor den Bahnhöfen. Insgesamt haben wir wohl mehr als 15000 Flyer verteilt, davon waren über 6000 auf unsere speziellen Hamburger Verhältnisse zugeschnitten, auf die Veranstaltungen im Saal und die Stadtteilfeste.

Höhepunkt unserer Aktivitäten wird nun die Demo am 10. November sein, zu der wir auch die attac-Mitglieder aus der näheren und weiteren Umgebung Hamburgs aufrufen. Die Rede zum Auftakt wird Winfried Wolf halten.

Um für diese Demo zu mobilisieren stellten wir etwa 70 Plakate im Stadtgebiet auf, wobei die Plakate auch schon ein Ausdruck des Protestes sind. Direkt vor den großen Bahnhöfen stehend, werden sie von vielen Menschen gelesen.

Gespräche mit Vertretern der Gewerkschaft Transnet und deren Mitgliedern sollten dort zu einem Meinungswechsel beitragen. Es gab Gespräche mit Bundespolitikern und Landespolitikern auf allen Ebenen und natürlich Briefwechsel, auch dank des Mailomaten.

Alles nicht besonders spektakulär, dafür aber wirksam und darauf kam es uns an.

Udo Schuldt, 6.11.2006

(dieser namentlich gekennzeichnete Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung von attac-Hamburg wieder)

 

Montagsdemo Tübingen, 23. Oktober 2006

In Tübingen finden seit zwei Jahren an jedem Montag die Montagsdemonstrationen statt. Am Montag, 23. Oktober 06 war es die 105. Attac Tübingen hält den Kontakt, unter anderem auch durch regelmäßige Redebeiträge. So auch an diesem Montag, mit thematischer Ankündigung des Bahnverkaufs-Beitrages in der Lokalpresse.

Auf dem Demonstrationszug wurden viele Passanten erreicht, an die Bahnflyer verteilt wurden. Auch einige Unterschriften wurden gesammelt.

Hier ein Redebeitrag von Wilhelm Nestle zur Demo am 23. Oktober:

"Bürgerbahn statt Börsenwahn -
Wem nützt die geplante Privatisierung der Bahn, wem wird sie schaden?"

Noch haben wir ein funktionierendes, öffentliches Verkehrssystem. Fast jeden Ort in Deutschland kann ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Es läuft keineswegs optimal. Wer in der Schweiz gelebt hat, weiß, dass es noch wesentlich besser gehen könnte. Trotzdem: Es funktioniert einigermaßen. Wir, meine Frau und ich, aber auch unsere beiden berufstätigen Kinder, leben ohne eigenes Auto. Das bedeutet manchmal Zeitverlust und Einschränkung, aber es geht, allerdings nur in einer entsprechend günstigen Wohnlage. Diese Einrichtung unseres Gemeinwesens ist in Gefahr.

Ein funktionierender öffentlicher Verkehr ist absolut notwendig im modernen Leben. Wir brauchen ihn aus zwei Gründen: Erstens kann es mit dem wachsenden Autoverkehr nicht so weiter gehen. Die Welt erstickt an den CO2-Abgasen, die unsere Autos in die Luft jagen. Sogar die Amerikaner haben es inzwischen gemerkt. Im Museum könnt Ihr heute um 20.30 Uhr den Film, „die unbequeme Wahrheit“ sehen. Al Gore legt dar, dass wir tatsächlich von der Klimakatastrophe bedroht sind. Dagegen leisten wir einen Beitrag, wenn wir dem öffentlichen Verkehr den Vorzug geben. Die CO2 Bilanz von Bus und Bahn ist immer noch wesentlich besser als die von Autos und Flugzeugen.

Das ist der eine Grund, weshalb wir die Bahn brauchen. Zum anderen sind viele Mensachen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Wer z. B. von Hartz 4 leben muss, kann sich oft kein Auto leisten. Sie oder er braucht den Bus im Nahverkehr und den Zug für weitere Strecken.

Für reiche Leute mit schnellen Autos und möglicherweise Zweit- und Drittwagen ist das oft kein Thema. Leider! Denn die drohende Klimakatastrophe geht uns alle an. Viele von ihnen können und wollen sich ein Leben mit weniger Auto nicht vorstellen. Aber viele versetzen sich auch nicht in die Menschen, die kein Auto haben, um mal eben schnell zum Einkaufen zu fahren, oder um ein krankes Kind zu besuchen, das im Krankenhaus liegt, vielleicht in einer anderen Stadt.

Der Staat hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Menschen mobil sind. Dazu wurde in 170 Jahren die Deutsche Bahn aufgebaut. Ihr Wert wird auf ein Vermögen von 100 Milliarden € geschätzt. Für 15 Milliarden will unsere Regierung jetzt die Bahn verkaufen. Und an wen? An genau die Leute, die nicht auf die Bahn angewiesen sind, weil sie fliegen oder Auto fahren. Die Bahn soll an die Börse gehen. Das heißt, sie wird in den Besitz der Menschen gebracht, die Geld übrig haben und damit noch mehr Geld machen wollen. Ob ich gegen Mitternacht noch von Tübingen nach Rottenburg fahren kann oder umgekehrt, das interessiert sie nicht. Sie interessiert nur eines: Profit. Und weil z. B. Spätzüge wenig ausgelastet, also unrentabel sind, werden sie gestrichen werden.

Für den Börsengang hören wir das altbekannte Argument: Privatisierung bedeutet Markt und Konkurrenz. Und Konkurrenz belebe das Geschäft. Private Betreiber seien effektiver als staatliche. Leider fallen immer noch viele auf diese Logik herein. Das kommt daher, dass der Vergleich der alten DDR mit der Bundesrepublik uns noch immer das Denken vernebelt. Es ist ja nicht zu bestreiten, dass die Güterproduktion der alten BRD der Planwirtschaft in der DDR haushoch überlegen war. Aber muss, was in der Güterproduktion funktioniert, für alle Lebensbereiche gelten? Das ist eine verrückte Logik. Sie erinnert mich an einen Mann, der mit einem Magendurchbruch ins Krankenhaus kam. Er hatte mehrere Schachteln Aspirin geschluckt. Der Arzt sagte zu ihm: Wie konnten Sie nur Aspirin nehmen? Aspirin greift den Magen an. Der Mann antwortete: „Aspirin hat mir schon oft gegen Schmerzen geholfen. Da dachte ich, es würde auch bei Magenschmerzen helfen.“ Und als die Schmerzen nicht weggingen, erhöhte er die Dosis immer weiter. Genau so gedankenlos werden Markt und Konkurrenz als Allheilmittel gepriesen. Aber sie nützen nicht in jedem Fall.

In vielen Bereichen der Daseinsfürsorge greift das Prinzip des Marktes und der Konkurrenz nicht. Funktioniert es bei der Bahn? Es gibt Länder, die ihre Bahnen privatisiert haben.

  • Beispiel USA: Von 400 000 Kilometern Schiene im Personenverkehr sind 40 000 übrig geblieben.

  • Beispiel Argentinien: Dort gab es einmal ein Bahnnetz über das ganze Land. 1989 wurde die Bahn privatisiert. Nach und nach wurden immer mehr Strecken still gelegt, weil sie angeblich nicht rentabel waren. Heute gibt es außerhalb des Großraums von der Hauptstadt Buenos Aires keine Bahn mehr. Die Aktienbesitzer haben ihren Profit rausgezogen und wenn der Betrieb schrottreif war, wurden die Strecken still gelegt.

  • Beispiel England. Nach der Privatisierung wurde auf Verschleiß gefahren. Das brachte die erwünschte kurzfristige Rendite für die Aktienbesitzer. Das Schienennetz verrottete. Nachdem das zu mehreren Unfällen geführt hatte, sah sich die englische Regierung gezwungen, das Schienenetz zurückzukaufen, mit hohen Verlusten. Der laufende Bahnbetrieb ist immer noch in der Hand verschiedener privater Gesellschaften. Wer in England reist, kann am eigenen Leib erfahren, was das heißt. Es gibt kein einheitliches Fahrkartensystem. Mann kann keine durchgehende Fahrkarte von London nach Liverpool lösen. Die Preise steigen ständig. Und auch die Fahrpläne sind nicht aufeinander abgestimmt. Das Reisen mit der Bahn wurde zum Horror.

Das sind drei Beispiele von Ländern, in denen die Bahn privatisiert und damit dem Prinzip von Markt und Konkurrenz unterworfen wurde. Unbestritten am besten reisen wir öffentlich in der Schweiz. Die Preise sind anständig. Alle Züge und Busse sind aufeinander abgestimmt und fahren im Stunden-, oft sogar im Halbstundentakt. Die Verkehrsnetze sind wesentlich dichter als bei uns. Die Schweizer Bahnen und Busse sind nahezu vollständig in öffentlicher Hand, meisten dezentral bei einzelnen Kantonen, die aber alle zusammenarbeiten. Und sie arbeiten kostendeckend ohne Zuschüsse.

In Europa sind außer in Lettland in allen Ländern die Bahnen zumindest teilweise noch in öffentlicher Hand. Es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb Deutschland die Bahn verschleudern sollte. Der einzige Grund ist Geld. Kurzfristig bekommt die Bundesregierung einige Milliarden herein, indem sie die Bahn für einen Bruchteil dessen verschleudert, was sie wert ist. Sie wird aber weiterhin Zuschüsse in Milliardenhöhe zahlen müssen. Auch damit wollen Aktionäre kurzfristige Gewinne machen.

1994 wurde die Bahn in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die allerdings noch zu 100 % im Besitz des Staates ist. Damit soll sie für den Börsengang vorbereitet werden. Bahnchef Mehdorn gibt uns einen Vorgeschmack, was der Börsengang bringen wird.

  • 5000 km Schiene wurden still gelegt. Weitere 5000 sollen folgen, wenn der Börsengang durchgeht.

  • Der Interregio wurde abgeschafft. Er war ein praktischer Zug. Und er war so beliebt, dass er kostendeckend betrieben werden konnte. Aber das reicht dem Profitmanager Mehdorn nicht. Deshalb wurde er gestrichen.

  • Mehdorn hat die Bahncard 50 abgeschafft. Stattdessen gab es ein kompliziertes Frühbuchersystem. Man sollte seine Fahrkarte drei Tage, möglichst eine Woche vor der Fahrt buchen, wenn man billiger fahren wollte. Deutlicher hätte Mehdorn nicht beweisen können, dass er keine Ahnung davon hat. welche Bahn Menschen brauchen, die nicht über Managergehälter verfügen. Die Kunden blieben massenweise weg. Mehdorn wurde gezwungen, die Bahncard 50 wieder einzuführen, Allerdings wurde sie teurer. Mehdorn interessiert es nicht, ob Du und ich ohne Auto mobil sein können.

Er hat ganz andere Pläne: Er investiert bevorzugt in Hochgeschwindigkeitsstrecken. Sie sollen große Städte miteinander und mit den Flughäfen verbinden. Mehdorn ist Luftfahrtingenieur. Und dann lockt der Güterfernverkehr. Ein Teil des restlichen Schienennetzes soll dafür vorzugsweise oder ganz zur Verfügung gestellt werden. Wenn Mehdorn mit unserer Bahn an die Börse gehen kann und seine Pläne umsetzen wird,

  • Dann werden weitere Strecken still gelegt werden

  • Nahverkehrszüge werden nur noch in den Stoßzeiten verkehren. Wer kein Auto hat, muss am Abend zu hause bleiben.

  • Außerhalb der ICE Strecken wird es viel weniger Züge geben. Von Stuttgart nach Hamburg geht es schnell. Die Reise von Stuttgart nach Hameln wird zur Odyssee werden.

  • Weiter werden Arbeitsplätze abgebaut werden.

Liebe Leute, dieser Irrsinn muss gestoppt werden,

  • Damit wir der Klimakatastrophe entgegenwirken.

  • Damit wir alle mobil bleiben, auch wenn wir uns kein Auto leisten können oder wollen.

So hoffnungslos sieht es gerade gar nicht aus. Im Bundestag sind inzwischen viele Parlamentarier nachdenklich geworden. Ursprünglich sollte die Privatisierung im September beschlossen werden. Sie wurde auf den 26. Oktober verschoben. Jetzt wurde sie erneut verschoben, wahrscheinlich auf November. Das dürfte nicht zuletzt auch auf die Aktionen des Bündnisses „Bahn für alle“ zurückzuführen sein, von dem auch der Flyer ist, den wir verteilen. Nehmt Unterschriftenlisten mit.

Mannheim, 22. Oktober 2006: Öffentliche Diskussion

mit MdB Lothar Mark, SPD und Johannes Hauber, Bürgerbahn statt Börsenbahn

Attac Mannheim hatte am vergangenen Sonntag (22.10.06) den Mannheimer SPD-Bundestagsabgeordneten, Lothar Mark, zur öffentlichen Diskussion über die Privatisierung der Bahn ins Bürgerhaus eingeladen. Ebenfalls eingeladen und erschienen war Johannes Hauber, Vorsitzender des europäischen Betriebsrates von Bombardier und Mitglied im Fachleutebündnisses "Bürgerbahn statt Börsenbahn".

Die Diskussion war geprägt von der Tatsache, dass Lothar Mark in einem offenen Brief an die Fraktion mit weiteren fünf Unterzeichnern den Börsengang der Bahn ablehnt, und somit in diesem Punkt eine Attac-ähnliche Position vertritt. Die aktuellen Strömungen unter den seinen Fraktionskollegen wurde eingehend erörtert, und diskutiert, wie weiterer Druck "von unten" auf eine richtige Entscheidung gemacht werden kann.

Als ein Ergebnis wurde eine gemeinsame Pressekonferenz nebst Presseerklärung von Attac Mannheim, Lothar Mark MdB und Bürgerbahn statt Börsenbahn für die kommende Woche vereinbart. Einen genauen Termin hierzu werden wir noch bekannt geben.

Göttingen, 15. Oktober 2006: Gemeinsame Aktion von Attac und Transnet Göttingen am Bahnhof Göttingen 

Attac und Transnet Göttingen protestieren gegen Börsengang der Bahn
"Unsere Welt ist keine Ware - Bahn-Privatisierung stoppen!"

Mit einer aufsehenerregenden Protestaktion im Göttinger Bahnhof machten ein Dutzend AktivistInnen von Attac Göttingen und der Gewerkschaft Transnet Göttingen am 15. Oktober 2006 um 16.00 Uhr auf die bevorstehende "Jahrhundertentscheidung" aufmerksam: den geplanten Verkauf der Deutschen Bahn an Großinvestoren wie finanzkräftige Konzerne und Banken.

In einer Punkt 16 Uhr gestarteten Überraschungsaktion hängte ein Kletterteam ein Transparent über den Haupteingang des Bahnhofsgebäudes. Zu lesen war der Slogan "Unsere Welt ist keine Ware - Bahn-Privatisierung stoppen!" Gleichzeitig platzierten sich AktivistInnen an den Eingängen und auf den Bahnsteigen und verteilten Flugblätter gegen den geplanten Börsengang an die Reisenden. Das Publikum zeigte großes Interesse an dieser ungewöhnlichen Aktion und dem angebotenen Informationsmaterial.

Zum Hintergrund der Aktion: Der Deutsche Bundestag wird voraussichtlich noch im Oktober 2006 über den so genannten Börsengang der Deutschen Bahn entscheiden. Debattiert werden derzeit vor allem verschiedene Verkaufsszenarien. Ob die Bahn überhaupt verkauft werden soll, ist jedoch noch gar nicht entschieden - und alles spricht gegen einen Verkauf. Die Bahn ist öffentliches Gut, aus Steuermitteln finanziert. Der Gesamtwert der Anlagen, von Schienennetz, Zügen, Bahnhofsgebäuden wird auf über 100.000 Millionen Euro geschätzt. Für nicht mal ein Zehntel soll dieses öffentliche Vermögen an Investoren verkauft werden. "Im Klartext: Die Steuerzahler finanzieren auf Jahre hinaus die Gewinne der Investoren und müssen darüber hinaus weiterhin für die garantierten staatlichen Zuschüsse aufkommen.", kritisierte Oscar Mattner, Mitglied des Koordinierungskreises von Attac Göttingen.

Die Folgen eines möglichen Verkaufs sind bereits in England zu sehen: Stilllegung "unrentabler" Strecken, Massenentlassungen, explodierende Preise, Fahrplan- und Tarifchaos. Der Slogan "Fit für die Börse" wirft bereits jetzt seine Schatten voraus: Einsparungen an Personal und Service, Preissteigerungen, Verzicht auf notwendige Investitionen. Oscar Mattner betont: "Mobilität ist ein Grundrecht und darf nicht von Renditejägern ausgeschlachtet werden. Dem ungebremsten Boom des Straßenverkehrs und dem damit verbundenen Ressourcenverbrauch kann nur durch Verbesserung des Schienenverkehrs begegnet werden, nicht durch seine Veräußerung an Fremdunternehmen." Dass es auch anders geht, zeigt die Schweiz: Sie bietet das beste Beispiel für eine gut funktionierende und bürgernahe Bahn in öffentlicher Hand.

Pressemitteilung von Attac Göttingen

 

Nürnberg, 8. Oktober 2006

Die Attac-Gruppe Nürnberg hat mit einer kreativen Aktion in Nürnberg und Fürth für die Bürgerbahn demonstriert.

Externer Link zu einem Bericht in den Nürnberger Nachrichten
 

Berlin, 21. September 2006: Versteigerung der Bahn

Am 21. September fand am Berliner Hauptbahnhof eine Aktion mit großer Medienwirkung statt: Die Deutsche Bahn kam symbolisch unter den Hammer. Drei Kamerateams waren vor Ort, die Publikumsreaktionen war durchgehend positiv.

Das große Transparent "Stoppt den Börsengang" hob sich noch lange nach Schluß der Aktion vom Wischi-waschi "Schützt unsere Bahn" der privatisierungsfreundlichen Bahngewerkschafter ab.
 

Karlsruhe, 9. August 2006

Bahn für Alle im Rahmenprogramm der "Deutschlandtour" in Karlsruhe

Zum Abschluss der Attac-Sommerakademie protestierten am 9. August in Karlsruhe etwa 200 Attacies kreativ gegen die geplante Privatisierung der Bahn. In Karlsruhe endete an diesem Tag die Finaletappe der diesjährigen "Deutschlandtour", einem sportlichen Großereignis.

Stunden vor Ankunft der RadlerInnen setzte sich am Mittwoch ein menschlicher Zug, in Zweierreihen aufgestellt und als ICE verziert, in Karlsruhes Innenstadt laut singend in Bewegung. Der Zug zog große Aufmerksamkeit und freundliche Reaktionen auf sich. Am Europaplatz wartete schließlich die Zielankunft mit dem Ziel-Banner "Börsengang" auf den modernen ICE-Zug. Doch bevor der Zug durch dieses Ziel fahren konnte, sprangen einige Attac-AktivistInnen beherzt vor den Zug und protestierten mit großen Kellen gegen diese verheerende Richtung, in die die Bahn steuerte. Die AktivistInnen skandierten Parolen wie "Stoppt den Ausverkauf der Bahn" oder "Die Bahn gehört uns". Sie brachten schließlich den Zug zum Halten und leiteten die Bahn in Richtung eines neuen Ziel-Banners, auf dem zu lesen war "Unser Ziel - Bahn für Alle!" Drunter durch schlängelt sich dann der gesamte Zug freudig im Chor rufend "Bahn für Alle". Damit war die Bahn vom Kurs des Börsengangs abgebracht, steuerte nun in die richtige Richtung der kundenfreundlichen Bahn in Gemeineigentum.

Damit hatte die "Bahn für Alle" aber noch nicht genug. Demo-ähnlich "fuhr" der Zug neben den Straßenbahnschienen drei Kilometer zum Bahnhof. Die ganze Zeit über wurde gesungen und Parolen gerufen. Am Bahnhof angekommen tanzte der Zug vor dem Haupteingang. Protestierende mit Transparenten besetzten den Bahnhofsvorplatz.

Die Polizei ließ der fröhlich gestimmten Aktion ihren Lauf und begleitete sie kooperativ, verlieh gar noch ein Megafon. Nach insgesamt zwei Stunden fuhren die AktivistInnen schließlich mit der Bahn nach Hause - motiviert, die Proteste in ihren Städten weiterzuführen.

 

Bamberg, 17. Juni 2006: 

"Am vergangenen Samstag haben wir beiliegendes Flugblatt 500-fach am Bahnhof und in Zügen verteilt. Das Personal der Bahn war interessiert, aber ein Bahnbediensteter in Zivil hat uns aus dem Bahnhofgelände verwiesen. Bisher hat es kein Nachspiel gegeben. Wir sind der Aufforderung natürlich nachgekommen, waren aber fast schon fertig.

Beim Flugblatt habe wir Material von Euch verwendet (z.B. das schöne Bild) und mittlerweile etwas verändert. Über den Fortgang der Aktion beraten wir bei der nächsten Versammlung Anfang Juli."

Bündnis Bahn für alle