Europäische Erklärung gegen Bahnprivatisierungen und für nachhaltige Transportsysteme verabschiedet

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Konferenz mit Teilnehmern aus sechs Ländern setzt Zeichen für eine Bahn der Zukunft

Drei Wochen vor der Europawahl hat sich ein europaweites Bündnis gegen die Bahnprivatisierung zu Wort gemeldet. Auf einem Kongress in Köln unter dem Titel „Nächster Halt: Bürgerbahn!“ tauschten Privatisierungsgegner, Gewerkschafter und Bahnfachleute am Wochenende ihre Erfahrungen, Standpunkte und Argumente aus und debattierten Konzepte einer benutzer- und umweltfreundlichen Eisenbahn. Die rund 80 Teilnehmer aus mehreren europäischen Ländern verabschiedeten eine „Kölner Erklärung“, die den seit zwei Jahrzehnten europaweit laufenden Prozess der Liberalisierung, Fragmentierung und Privatisierung des Eisenbahnsektors kritisiert und den „Aufbau und Erhalt einer integrierten Bahn in Bürgerhand“ fordert.

Zu der Veranstaltung eingeladen hatten „Bahn für Alle“, das bundesdeutsche Aktionsbündnis gegen die Bahnprivatisierung, die britische Bahngewerkschaft RMT sowie die nordrhein-westfälischen Grünen und deren verkehrspolitischer Sprecher im Düsseldorfer Landtag, Horst Becker.

Kölner Erklärung

16. Mai 2009

Europäische Erklärung gegen Bahnprivatisierungen und für nachhaltige Transportsysteme

Die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise betont die Notwendigkeit, für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung stabile öffentliche Verkehrsnetze auszubauen und diese zu sozial verträglichen Konditionen zugänglich zu machen, Arbeitsplätze zu schaffen sowie eine Verringerung des Kohlendioxidausstoßes zu erreichen, um eine nachhaltige Entwicklung der Umwelt für unsere Zukunft zu ermöglichen.

Wir fordern ein Konjunkturprogramm beruhend auf:

  1. einer nachhaltigen, wirtschaftlichen Entwicklung der öffentlichen Verkehrsnetze, welche die nationalen und internationalen in öffentlicher Hand befindlichen Personenschienenverkehrsnetze verbindet; Erhöhung der öffentlichen Mittel, um den Wiederaufbau der öffentlichen Verkehrsnetze zu fördern
  2. der Verdreifachung des öffentlichen Nahverkehrs in Städten und dem Ausbau des Fahrradverkehrs, der Reduzierung des privaten Kraftfahrzeugverkehrs, der Umrüstung der Automobilindustrie
  3. der Entwicklung der Regionalisierung, der Entwicklung des Einzelwagenladungsverkehrs und der Diversifizierung des Bahnfrachtverkehrs, einer Wiederbelebung des städtischen Bahnfrachtverkehrs, einer Reduzierung des LKW-Verkehrs
  4. Umstieg der Bahn auf erneuerbare Energiequellen

Wir glauben, dass die Konsequenzen der Bahnprivatisierung, der Liberalisierung des Schienenverkehrs und der Fragmentierung der Bahngesellschaften folgende sind:

  • Abstriche bei der Sicherheit der Eisenbahn, Angriffe auf die Löhne, Arbeitsbedingungen und Pensionen der Beschäftigten sowie auf gewerkschaftliche Organisation und (bestehende) Tarifverträge
  • Einen Bruch mit dem Konzept einer sozialen Bahn zugunsten ausschließlicher Wirtschaftsinteressen und einer einseitigen Renditeorientierung als Gütekriterium erfolgreichem Schienenverkehrs
  • Eine teurere, weniger effiziente Bahn, bei welcher der Gewinn über den Bedürfnissen der Gemeinschaft steht

Wir fordern daher:

  • Den Aufbau und Erhalt einer integrierten Bahn in Bürgerhand.
  • Die Verantwortung der Kommunen und Regionen für den Nahverkehr muss gestärkt und ausgeweitet werden. Demokratisch gewählte Gremien garantieren die Schaffung und Vorhaltung der Nahverkehrssysteme und stellen ihre Finanzierung durch die öffentliche Hand sicher.
  • Klare und verbindliche Fahrgastrechte für den öffentlichen Schienenverkehr, so dass der Verbraucherschutz Vorrang bekommt in Fällen von Verspätungen und Qualitätsmängeln.

Wir verurteilen:

  • All jene EU-Direktiven, einschließlich der „EU-Bahnpakete“, die immer mehr zu einer Privatisierung der europäischen Bahngesellschaften und zu einem so genannten Liberalisierungsprozess führen, der zu einer geringeren demokratischen Verantwortlichkeit und einer Zunahme der privaten Schienenmonopole führt.
  • All jene Regierungen, EU-Institutionen, die Weltbank und andere Finanzinstitute, die die Privatisierung, Liberalisierung und Zerschlagung der Bahnunternehmen zunehmend zur Bedingung für Finanzierungsbeihilfen machen.

Wir glauben, dass die Privatisierung der öffentlichen Verkehrssysteme eines der Hauptinstrumente der neoliberalen Reduktion öffentlicher Leistungen und der Umverteilung der Ressourcen von unten nach oben ist. Wir kommen hiermit überrein, unsere lokalen und nationalen Bemühungen in einer Europäischen Koalition gegen die Bahnprivatisierung und für nachhaltige Transportsysteme zu bündeln, indem die Organisationen der Bahnarbeiter und der Bahnnutzer mit den Bürgern zusammen gebracht werden, um eine Zukunft für zukünftige Generationen zu sichern.

Unterzeichnet von den folgenden Organisationen und Befürwortern öffentlichen Verkehrs:

  • Attac
  • Autofrei leben!
  • Bahn von unten
  • Bund für Umwelt und Naturschutz BUND
  • Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz BBU
  • Bürgerbahn statt Börsenbahn
  • European Coalition Against Rail Privatisation
  • Fectrans, Transport TUI Board
  • Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
  • DIE GRÜNEN NRW
  • Grüne Jugend
  • Grüne Liga
  • JungdemokratInnen / Junge Linke
  • Jusos in der SPD
  • Linksjugend Solid
  • NaturFreunde Deutschlands
  • RMT - the National Union of Rail, Maritime and Transport Workers
  • SNTSF - National Railway Workers Trade Union (Portugal)
  • Robin Wood
  • Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken
  • Umkehr e.V.
  • VCD Brandenburg

Declaration of Cologne

May 16, 2009

European Declaration Against Rail Privatisation and for Sustainable Transport

The current global economic crisis underlines the need to expand stable socially accessible public transport for economic and social development, to create jobs and to achieve reduced carbon dioxide emissions for a sustainable environmental future.

We call for an economic stimulus plan based on:

  1. sustainable economic development of rail infrastructure as public transport networks that link regional, national and international passenger rail traffic, increase the public funding to assist rebuilding public transport infrastructure
  2. trebling of public transport in cities and an expansion of bicycle traffic capacity, to facilitate reduction of private motor traffic
  3. development and financing of local passenger rail transport, development of wagon-load freight and diversification of rail freight operations, public funding for railway sidings for companies as well as for construction and maintenance of the rail networks to bring about a, reduction of truck road freight traffic;
  4. conversion of the rail to renewable energy sources.

We believe that the consequences of rail privatisation, the liberalisation of rail traffic and fragmentation of national railway undertakings are:

  • Attacks on railway safety, pay, conditions, pensions, trade union organisation and collective bargaining;
  • The abandonment of a People’s Railway for a railway run solely in the interests of big business, where the profit motive becomes the only criteria for delivering rail services;
  • A more expensive, less efficient railway, where profit comes before the needs of the community.

We therefore call for:

  • The construction and the maintenance of integrated railway infrastructure and operational undertakings owned and accountable to the public;
  • The responsibility of communities and regions for local passenger transport services has to be increased and extended. Democratically elected bodies guarantee the creation and preservation of local public transport systems and their financing. Public funding for the operation of public traffic services has to be secured. All efforts of the European Union to call into question the regional cooperation as one of the central financing instruments must be rejected.
  • Clear and binding passenger rights have to be created for the public transport users so that the consumer protection has top priority in case of quality defects as delays and failures.

We condemn:

  • Those EU directives, including the various railway packages which are increasingly leading to the privatisation of Europe’s railways and a so-called liberalisation process that is leading to less democratic accountability and the growth of private rail monopolies.
  • Those Governments, EU Institutions, the World Bank and other financial institutions which are increasingly making privatisation, liberalisation and fragmentation of the railways a condition of funding.

We believe that privatisation of public services is one of the main instruments for neoliberal cuts to public services and redistribution of resources away from the people and towards the rich. We hereby agree to ally our local and national struggles in a European Coalition Against Rail Privatisation and for Sustainable Transport bringing together organisations of rail workers and rail users together with citizens to secure a future for the following generations

Signed by the following organisations and leading public transport campaigners

  • Attac
  • Autofrei leben!
  • Bahn von unten
  • Bund für Umwelt und Naturschutz BUND
  • Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz BBU
  • Bürgerbahn statt Börsenbahn
  • European Coalition Against Rail Privatisation
  • Fectrans, Transport TUI Board
  • Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
  • DIE GRÜNEN NRW
  • Grüne Jugend
  • Grüne Liga
  • JungdemokratInnen / Junge Linke
  • Jusos in der SPD
  • Linksjugend Solid
  • NaturFreunde Deutschlands
  • RMT - the National Union of Rail, Maritime and Transport Workers
  • Robin Wood
  • SNTSF - National Railway Workers Trade Union (Portugal)
  • Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken
  • Umkehr e.V.
  • VCD Brandenburg

Bündnis Bahn für alle