Buchbesprechung "Schwarzbuch Bahn"

von Carl Waßmuth

"Schwarzbuch Bahn" 2010, C.Bertelsmann von Christian Esser und Astrid Randerath

Mittlerweile ist das "Schwarzbuch Bahn" seit zwei Wochen erhältlich. Ich selbst habe es nun verteilt auf zwei Nächte durchgelesen, es ist meiner Auffassung nach sehr zu empfehlen. Interviews verschaffen dem Buch zusätzliche Authentizität (aber auch weitere neue Informationen!), sie verhelfen dem Buch hoffentlich zu einer Leserschaft über die Spezialistenkreise hinaus. Vieles war mir bekannt, und dennoch hat es mich auch sehr befriedigt, das so zusammengefasst lesen zu können. Nun ist der Verlag (das Buch ist bei C. Bertelsmann erschienen) unter Privatisierungsgegnern ein Reizwort. Wer die Anwaltsschlachten der DB AG gegen interne und manche externe Kritiker mitverfolgt hat, wünscht den Autoren einen sehr starken Verlag im Rücken, meinethalben auch Bertelsmann.

Bahn für Alle wird am Ende explizit gedankt, vor allem aber zieht sich die Antwort auf das "Wozu das alles?" durch das ganze Buch: Die Bahn auf Börsenkurs, von einer Politik auf dieses Gleis gesetzt, die sich weigert, die Bahn zu führen, die teilweise offen korrumpiert ist (ab S.249).

Das Risiko der vernachlässigten Infrastruktur kommt meiner Auffassung nach zu kurz - allerdings ist alles rings um die Schienen-Infrastruktur auch eines der bestgehütesten Geheimnisse. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass der Verkehrsausschuss einen Unterauschuss "Eisenbahninfrastruktur" hat. Doch auch für die gilt: Was die DB in welche Strecke investiert (oder nicht), ist ihr Betriebsgeheimnis. Im weiteren dringt manchmal eine etwas verkürzte Kritik an der "DB als Monopolist" durch, was implizit den intermodalen Wettbewerb ausblendet. An anderer Stelle wird das unter 'Versäumnisse der (Umwelt-)Politik' (S. 237) wieder etwas gerade gerückt. Auch wird die Verteidigung gegen eine Privatisierung des Netzes teilweise stark hervorgehoben, am Ende wird die Herauslösung der Infrastruktur aus dem Unternehmen DB AG als mögliche (positive) Lösung angegeben. Gleichzeitig findet man jedoch mit der Beschreibung des ICE-Achs-Skandals sowie einem umfassenden Bericht zur Berliner S-Bahn auch die Position, dass in gleicher Weise die Privatisierung des rollenden Materials blanker Irrsinn ist.

Manches, das uns zwar bekannt war, was aber eben nicht offiziell war, erhält über das Buch eine erste Quelle für zukünftige Zitate. Ich denke insgesamt, dass mit dem Buch wir noch lange werden arbeiten können. Die positive Vision und die präzise politische Analyse, wie sie teilweise eingefordert wird, ist meiner Auffassung nicht Aufgabe eines Schwarzbuchs. Wer Schlüsse ziehen will, kann das mit dem Material tun. Im Gegenteil: Das Buch lässt den Platz frei für unsere Schlussfolgerungen und Forderungen. Muss ja nicht in Buchform sein.

Carl Waßmuth, Berlin, den 01.02.2010

Bündnis Bahn für alle