Sonderzeitung des Bündnisses Bahn für Alle - Winter 2008/09

Für‘s Klima ein guter Zug

von Monika Lege (Robin Wood e.V.)

Mit unserer Mobilität sind wir für ein Fünftel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Die große Masse der Treibhausgase kommt aus den Auspuffrohren von Autos und Lastwagen, drei Viertel davon fahren in den Industrieländern. Beim Auto macht die Masse den Klimaschaden, für die und den Einzelne/n gibt es aber kaum eine Möglichkeit, dem Klima so schnell, so intensiv und so billig zu schaden wie mit einer Flugreise. Mehr als vier Fünftel des weltweiten Luftverkehrs verantworten die USA und Europa. Unter den Folgen „moderner“ Mobilität leiden vor allem die Menschen in landwirtschaftlich geprägten Gesellschaften. Sie bekommen die Folgen des Klimawandels wie Dürren, Stürme und Überschwemmungen existenziell zu spüren.

Bahnfahren belastet das Klima deutlich weniger. Mit dem Zug kommen Reisende mit der gleichen Klimalast achtmal weiter als im Flieger. Stiegen nur die Passagiere von Zubringer- und Kurzstreckenflügen auf die Bahn um, fielen die Bedarfsprognosen sämtlicher Flughafenausbauten in Deutschland in sich zusammen.

Klimaschutz bei der Deutschen Bahn ist vor allem eine Frage der verkehrspolitischen Zielsetzung: Die letzte Bahnreform sollte keine Privatisierung vorbereiten, sondern mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Eine echte Konkurrenz zur Straße ist die Bahn, wenn sie außer profitablen Fernverkehrs-Korridoren auch den Verkehr in der Fläche bedient. Taktfahrpläne und erschwingliche Preise fördern den Umstieg auf die Schiene. Doch stattdessen hat die Bahn seit ihrer Reform von 1994 wichtige Marktanteile eingebüßt. Nicht ohne Grund, hat sie doch einerseits fast 6.000 Gleis-Kilometer still gelegt, die Zahl der Anschlüsse halbiert, dutzende Städte vom Fernverkehrsnetz abgekoppelt und den beliebten InterRegio ausgemustert. Andererseits ist die DB AG heute in 150 Ländern aktiv. Sie beteiligt sich an See- und Flughäfen, betreibt LKW-Flotten und Luftfrachtlinien. Warum sollte sich ein Global Player im internationalen Logistikgeschäft für weniger Verkehr und dessen Verlagerung auf die Schiene einsetzen?

Großes Potenzial zur CO2-Einsparung hat die Deutsche Bahn heute übrigens auch bei ihrem Strom-Mix. Mehr als die Hälfte ihres Stroms stammt aus Kohlekraftwerken und anderen fossilen Energieträgern. Knapp ein Drittel ist Atomstrom. Skandinavien zeigt, dass es anders geht. So fahren die Züge in Dänemark ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien. Technische Innovationen werden unsere Mobilität jedoch nur dann klimafreundlicher machen, wenn sie eingebunden sind in ein Gesamtkonzept von Verkehrvermeidung, -verlagerung und -verbesserung.

mehr: Broschüre „Zündstoff. Verkehr und Klima“ unter www.robinwood.de/verkehr/


Veröffentlichung des Bündnisses „Bahn für Alle“ als Beilage in der taz am 22. Dezember 2008 sowie als „Sonderzeitung für eine Bürgerbahn“. Texte und Layout wurden ehrenamtlich erstellt. Trotzdem kostet der Druck der Zeitung mehrere Tausend Euro. Unterstützen Sie die Kampagne mit einer Spende. Die Beilage kann als Sonderzeitung über den attac-Webshop bestellt werden. Sie eignet sich gut für Aktionen vor Ort - zum Verteilen vor Bahnhöfen, zum dezenten Hinterlassen in Zügen, für Stände usw.


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