Pressemitteilung - Bündnis "Bahn für Alle" - 09.12.2011

DB AG: Weniger Leistung für mehr Geld

Bündnis „Bahn für Alle“ kritisiert Fahrpreiserhöhung – Seit 2003 mehr als 30 Prozent draufgeschlagen

Gestern kündigt Bahnchef Grube einen Rekordgewinn der DB AG an, morgen erhöht die Bahn wieder kräftig die Fahrpreise. Dieses Jahr sind es wieder um 3,9 bzw. 2,7 Prozent mehr im Fern- bzw. Nahverkehr. Rechnet man die Preiserhöhungen der letzten Jahre zusammen, so belaufen sich diese seit 2003 auf 31,5 bzw. 31,1 Prozent. Über den gleichen Zeitraum betrug die Inflation gerade einmal 15,4 Prozent. Die Bahnpreise haben sich also mehr als doppelt so stark erhöht wie das generelle Preisniveau.

Weitaus mehr noch wirken sich die versteckten Preiserhöhungen aus: So fallen mit dem diesjährigen Fahrplanwechsel die Sparpreise 25 und 50 weg, wodurch es auf einigen Strecken real zu wesentlich stärkeren Preisanhebungen kommt. Reservierungen im Internet werden auf einen Schlag um 60 Prozent teurer. Die BahnCard 50 als Mobilitätskarte für Vielfahrerinnen und Vielfahrer wird um 4,3 Prozent und damit seit 2003 insgesamt um 73,9 Prozent verteuert. Generell ist die Tarifstruktur der Bahn seit der Einführung des Preissystems „PEP“ vor neun Jahren immer unübersichtlicher geworden. „Mit ihrer Preispolitik verschreckt die Bahn insbesondere Fahrgäste, die die Bahn häufig nutzen“, sagt Bernhard Knierim vom Bündnis Bahn für Alle, „Bahnfahren wird immer mehr zum teuren Glücksspiel.“
 


Die Preiserhöhungen bei der Bahn gehen einher mit einem erheblichen Abbau von Leistungen: So wird die Zahl der Züge kontinuierlich abgebaut, und zukünftig werden diese noch seltener gereinigt. Bahnhöfe werden geschlossen, die Zahl der Schalter und die Öffnungszeiten der Reisezentren reduziert. Bei widrigen Witterungsbedingungen kommt es regelmäßig zu chaotischen Zuständen: Klimaanlagen schalten sich konstruktionsbedingt ab, wenn sie am meisten gebraucht werden, Züge verkehren mit weniger Wagen oder fallen gleich ganz aus. Gleichzeitig kündigt die Deutsche Bahn an, im nächsten Jahr einen Rekordgewinn von 2,75 Milliarden Euro erzielen zu wollen. Diesen erreicht sie insbesondere durch die von den Ländern gezahlten Bestellerentgelte im Nahverkehr. Im Fernverkehr stagnieren die Fahrgastzahlen seit Jahren. „Grube spricht von „Börsenfähigkeit“ und lässt die Fahrgäste dafür blechen. Die Bahn macht ihre Preise für Geschäftsreisende und Besserverdienende“, kritisiert Monika Lege, Verkehrsreferentin der Umweltorganisation Robin Wood. „Für eine klimaverträgliche Mobilität brauchen wir aber eine Bahn zu erschwinglichen Preisen – damit alle Menschen sich ökologisches Reisen leisten können.“ Die Kosten des Autoverkehrs haben sich im gleichen Zeitraum inflationsbereinigt kaum erhöht, Flugreisen werden durch Subventionen billig gehalten.

Das Bündnis Bahn für Alle sieht den Grund für diese Geschäftspolitik in der Aufstellung der DB AG als gewinnorientiertes Unternehmen und fordert stattdessen eine Bahn, die sich am Gemeinwohl orientiert und mit einem einheitlichen, nachvollziehbaren Preissystem. Dieses muss deutschlandweit für den gesamten öffentlichen Verkehr gelten, wie es die Schweiz mit dem „direkten Verkehr“ macht. Die Preise müssen dabei so beschaffen sein, dass sie auch für Menschen mit geringerem Einkommen erschwinglich sind und so die Bahn für alle Menschen eine attraktive ökologische Grundversorgung mit Mobilität bietet.

 

Bündnis Bahn für alle